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Blättern wie die Großen: Wenn Ihr Kind Buchseiten umdreht

Häufige Fragen

Wenn Ihr Kind zum ersten Mal selbst eine Seite im Bilderbuch umdreht, ist das ein faszinierender Moment voller Entdeckerfreude. Diese kleine Handbewegung erfordert viel Konzentration und ist ein großer Schritt für die feinmotorische Entwicklung. Plötzlich bestimmt Ihr Kind das Tempo beim gemeinsamen Anschauen der bunten Bilder und wird vom aufmerksamen Zuhörer zum aktiven Mitgestalter.

Was sich beim Kind zeigt

Das Umblättern eines Buches sieht für uns Erwachsene ganz einfach aus, ist für kleine Hände aber eine hochkomplexe Aufgabe. Ihr Kind muss das Buch mit einer Hand stabilisieren, während die andere Hand die Kante der Seite greift. Dabei ist ein feines Zusammenspiel von Augen und Fingern gefragt.

In der Anfangsphase beobachten Eltern oft, wie ihr Kind die Seiten eher mit der ganzen Handfläche wischt oder schiebt. Oft werden dabei gleich mehrere dicke Pappseiten auf einmal umgeschlagen. Das ist ein wunderbarer erster Schritt. Das Kind probiert aus, wie viel Kraft nötig ist, um das Material zu bewegen.

Mit der Zeit verfeinert sich diese Technik spürbar. Ihr Kind beginnt, Daumen und Zeigefinger gezielter einzusetzen, um eine einzelne Seite am Rand zu fassen. Das Umblättern erfordert eine Fähigkeit, die als beidseitige Koordination bezeichnet wird. Eine Hand hält das Buch fest oder stützt es ab, während die andere Hand aktiv die Seite bewegt. Dieses Zusammenspiel der Hände ist eine wichtige Grundlage für viele spätere Alltagskompetenzen.

Gleichzeitig passiert auch kognitiv sehr viel. Wenn Ihr Kind eine Seite zurückblättert und das geliebte Feuerwehrauto wiederfindet, begreift es ein wichtiges Konzept. Es lernt, dass Dinge auch dann noch existieren, wenn sie kurzzeitig außer Sicht sind. Es entdeckt die Freude daran, vor und zurück zu blättern, um ein Lieblingstier immer wieder neu zu betrachten. Diese neu gewonnene Kontrolle über das Buch stärkt das Selbstvertrauen ungemein.

Später wagt sich Ihr Kind vielleicht auch an Bücher mit dünneren Papierseiten. Hier ist noch mehr Fingerspitzengefühl gefragt, damit das Papier nicht reißt. Ihr Kind lernt dabei, seine Kraft sehr genau zu dosieren und die Bewegungen behutsam auszuführen.

Typischer Zeitrahmen

Die Entwicklung dieser feinmotorischen Fähigkeit erstreckt sich über einen längeren Zeitraum, meist zwischen 13 und 36 Monaten. Viele Kinder beginnen im zweiten Lebensjahr damit, dicke Pappseiten umzublättern. Anfangs gelingt das oft nur grob und mit mehreren Seiten gleichzeitig.

Im Laufe des dritten Lebensjahres verfeinert sich die Motorik bei vielen Kindern so weit, dass sie einzelne Pappseiten mühelos greifen können. Gegen Ende dieses Zeitfensters, oft rund um den dritten Geburtstag, gelingt es vielen Kindern auch, die feinen Papierseiten normaler Vorlesebücher vorsichtig umzuschlagen. Jedes Kind hat dabei sein ganz eigenes Tempo. Manche Kinder lieben Bücher von Beginn an und üben das Blättern ausdauernd, andere interessieren sich erst später für diese ruhige Beschäftigung.

So begleiten Sie

Ihre Begleitung bei diesem Meilenstein besteht vor allem darin, eine entspannte und einladende Leseumgebung zu schaffen.

Das passende Material anbieten

Stellen Sie Ihrem Kind eine Auswahl an stabilen Pappbilderbüchern zur Verfügung, die es jederzeit selbst erreichen kann. Bücher mit dicken Seiten, abgerundeten Ecken oder kleinen Ausstanzungen am Rand erleichtern den kleinen Fingern das Greifen.

Das Tempo überlassen

Lassen Sie Ihr Kind beim gemeinsamen Lesen entscheiden, wann umgeblättert wird. Auch wenn die Geschichte gerade erst begonnen hat und Ihr Kind schon zur nächsten Seite wechselt, ist das völlig in Ordnung. Es geht in dieser Phase weniger um den roten Faden der Geschichte als um die Freude am Tun.

Gemütliche Positionen finden

Nehmen Sie Ihr Kind beim Vorlesen auf den Schoß oder setzen Sie sich gemütlich nebeneinander. Wenn das Buch stabil auf Ihren Beinen oder einem Kissen liegt, hat Ihr Kind beide Hände frei, um sich ganz auf das Greifen und Blättern zu konzentrieren.

Mit sanften Impulsen einladen

Wenn Sie merken, dass Ihr Kind blättern möchte, aber die Seite nicht ganz zu fassen bekommt, können Sie die Ecke leicht anheben. So geben Sie eine kleine Hilfestellung, ohne die Aufgabe komplett zu übernehmen.

Wann mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt sprechen

Die feinmotorische Entwicklung verläuft bei jedem Kind sehr individuell und in Schüben. Wenn Sie jedoch beobachten, dass Ihr Kind im Alter von etwa zwei Jahren generell wenig Interesse daran zeigt, Gegenstände gezielt mit den Fingern zu greifen, können Sie dies bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung ansprechen. Auch wenn die Hände beim Spielen oft sehr steif wirken oder Ihr Kind scheinbar Schwierigkeiten hat, beide Hände gemeinsam für eine Aufgabe zu nutzen, ist die Kinderarztpraxis eine gute Anlaufstelle. Ein kurzes Gespräch bringt oft schnelle Beruhigung und hilft, die individuelle Entwicklung Ihres Kindes gut zu begleiten.

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