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Den Alltag nachahmen: Die ersten kleinen Rollenspiele

Häufige Fragen

Gegen Ende des ersten Lebensjahres beginnen viele Babys, die alltäglichen Handlungen ihrer Eltern genau zu beobachten und schließlich nachzuahmen. Ein Bauklotz wird plötzlich ans Ohr gehalten, oder ein Tuch dient dazu, eifrig über den Tisch zu wischen. Dieser Entwicklungsschritt zeigt, wie aufmerksam Ihr Kind seine Umgebung wahrnimmt und durch kleine Rollenspiele lernt, ein aktiver Teil der Familie zu sein.

Was sich beim Kind zeigt

In dieser Phase verändert sich die Art und Weise, wie Ihr Kind mit Gegenständen umgeht. Früher wurden Dinge vor allem in den Mund gesteckt, gedreht oder auf den Boden geworfen. Nun bekommt das Spiel eine neue, soziale Dimension. Ihr Kind beginnt zu verstehen, wofür bestimmte Dinge im Alltag genutzt werden.

Sie werden vielleicht beobachten, wie Ihr Kind nach einer Haarbürste greift und sie sich an den eigenen Kopf hält. Ebenso beliebt ist das Telefonieren. Ein beliebiger Gegenstand, sei es ein Holzklotz oder eine kleine Schachtel, wird ans Ohr gedrückt. Dabei brabbelt Ihr Kind oft konzentriert vor sich hin, ganz so, wie es die Erwachsenen beim Sprechen beobachtet hat.

Auch Aufgaben im Haushalt üben eine magische Anziehungskraft aus. Wenn Sie mit einem Lappen den Tisch abwischen, möchte Ihr Kind das vielleicht auch tun. Es schnappt sich ein Stück Stoff und ahmt Ihre Handbewegungen verblüffend genau nach. Das Gleiche gilt für das Umrühren in einer Schüssel oder das Spielen mit einem unbedenklichen Schlüsselbund.

Das Nachahmen beschränkt sich nicht nur auf Handgriffe. Auch Mimik und Laute werden intensiv studiert und reproduziert. Wenn Sie beim Essen genüsslich schmatzen oder bei einer Überraschung die Augen aufreißen, wird Ihr Kind diese Ausdrücke wahrscheinlich bald in sein eigenes Repertoire aufnehmen. Es lernt die feinen Nuancen der menschlichen Kommunikation kennen.

Auch Geschwisterkinder oder andere Babys in der Krabbelgruppe werden zu spannenden Vorbildern. Ihr Kind studiert genau, wie ein anderes Kind einen Turm baut oder ein Bilderbuch umblättert, und versucht wenig später, dieselben Bewegungen auszuführen. Diese Beobachtungsgabe ist ein echtes Meisterwerk der Natur.

Bei all diesen Handlungen sucht Ihr Kind immer wieder den Blickkontakt zu Ihnen. Es möchte sichergehen, dass Sie zusehen. Dieser Blick sagt oft mehr als tausend Worte. Es ist eine Einladung, das Spiel zu teilen, und gleichzeitig die stolze Botschaft, dass es nun die gleichen Dinge tut wie die großen Vorbilder.

Besonders faszinierend ist die Hingabe, mit der Babys diese Handlungen ausführen. Sie wiederholen das Kämmen der Haare oder das Rühren im Topf oft unzählige Male. Diese Wiederholungen sind wichtig, um die motorischen Abläufe zu verfeinern und das neu gewonnene Wissen tief im Gehirn zu verankern. Jeder Versuch macht die Bewegung etwas flüssiger und zielgerichteter.

Die Bedeutung für die soziale Entwicklung

Das Nachahmen ist weit mehr als nur ein niedliches Spiel. Es ist ein zentraler Baustein für die soziale und emotionale Entwicklung. Indem Ihr Kind Ihre Handlungen kopiert, versetzt es sich auf seine eigene, kindliche Weise in Sie hinein. Dies ist ein früher Vorläufer der Empathie.

Zudem stärkt das gemeinsame Tun das Gefühl der Zugehörigkeit. Ihr Kind spürt, dass es Teil einer Gemeinschaft ist, in der bestimmte Dinge auf eine bestimmte Art erledigt werden. Das gemeinsame Wischen oder Kochen verbindet. Es gibt dem Kind ein Gefühl von Bedeutung und Wirksamkeit im Familienalltag.

Auch kognitiv passiert in diesen Momenten unglaublich viel. Ihr Kind verknüpft eine Handlung mit einem bestimmten Zweck. Es versteht, dass ein Löffel zum Essen da ist und ein Schlüssel in ein Schloss gehört. Diese Verknüpfungen bilden die Grundlage für späteres, komplexeres symbolisches Denken und fantasievolle Rollenspiele in den kommenden Jahren.

Darüber hinaus ist das Nachahmen ein wunderbares Mittel zur Selbstberuhigung und zur Verarbeitung von Eindrücken. Indem Ihr Kind Situationen aus dem Alltag nachspielt, ordnet es seine Welt. Es macht das Unbekannte vertraut und gewinnt ein Stück Kontrolle über seine Umgebung. Das gibt ihm Sicherheit und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Auch die Sprachentwicklung profitiert enorm von diesen ersten Rollenspielen. Wenn ein Kind eine Handlung nachahmt, denkt es oft schon an die dazugehörigen Worte, auch wenn es diese noch nicht aussprechen kann. Das Verständnis für den Zusammenhang zwischen Dingen, Handlungen und Begriffen wächst mit jedem nachgespielten Telefongespräch und jedem umgerührten unsichtbaren Brei.

Typischer Zeitrahmen

Die ersten Ansätze dieses Nachahmens zeigen sich bei vielen Kindern im letzten Viertel des ersten Lebensjahres. Oft geschieht dies in einem Zeitraum zwischen neun und zwölf Monaten. Jedes Kind hat dabei sein eigenes, individuelles Tempo.

Manche Kinder beginnen sehr früh damit, einfache Gesten wie das Winken oder Klatschen zu kopieren, bevor sie zu Gegenständen greifen. Andere Kinder beobachten ihre Umgebung monatelang still und intensiv, bevor sie plötzlich eine komplexe Alltagshandlung nachspielen. Beide Wege sind völlig natürliche Formen der Entwicklung.

So begleiten Sie

Sie können diese spannende Phase wunderbar in den Alltag integrieren, ohne spezielle Übungen planen zu müssen. Die beste Vorbereitung ist eine entspannte Haltung und die Bereitschaft, sich auf das Spielangebot Ihres Kindes einzulassen.

Echte Alltagsgegenstände anbieten

Kinder lieben in dieser Phase Dinge, die sie aus dem echten Leben kennen. Ein sauberer Kochlöffel, ein kleiner Schneebesen oder ein unbenutzter Schwamm sind oft viel interessanter als gekauftes Spielzeug. Achten Sie lediglich darauf, dass die Gegenstände sicher sind und keine verschluckbaren Kleinteile enthalten.

Das Spiel sprachlich begleiten

Wenn Ihr Kind sich einen Bauklotz ans Ohr hält, können Sie das Spiel aufgreifen. Fragen Sie ruhig, wer am anderen Ende der Leitung ist. Solche kleinen Reaktionen zeigen Ihrem Kind, dass Sie seine Handlung verstehen und wertschätzen. Gleichzeitig fördern Sie durch das Sprechen ganz nebenbei die Sprachentwicklung.

Gemeinsames Tun ermöglichen

Lassen Sie Ihr Kind an ungefährlichen Haushaltsaufgaben teilhaben. Wenn Sie Staub wischen, geben Sie Ihrem Kind ein eigenes, kleines Tuch. Es wird mit großer Freude neben Ihnen stehen oder sitzen und eifrig mithelfen. Diese Momente stärken die Bindung und das Selbstvertrauen ungemein.

Raum für eigene Entdeckungen lassen

Geben Sie Ihrem Kind die Freiheit, Gegenstände auf seine eigene Weise zu nutzen. Ein Becher muss nicht immer zum Trinken da sein, er kann auch ein wunderbarer Hut für einen Teddybären werden. Greifen Sie nicht korrigierend ein, sondern beobachten Sie mit Freude, wohin die Fantasie Ihr Kind führt.

Geduld bei Wiederholungen zeigen

Es kann manchmal anstrengend sein, wenn das Spielzeugtelefon zum zwanzigsten Mal klingelt und Sie ans Telefon gehen sollen. Versuchen Sie dennoch, diese Wiederholungen als wertvollen Lernprozess zu betrachten. Ihr Kind braucht diese stetige Bestätigung, um sich in seiner neuen Rolle sicher zu fühlen.

Freude und Bestätigung teilen

Lächeln Sie zurück, wenn Ihr Kind nach einer nachgeahmten Handlung Ihren Blick sucht. Ihre positive Reaktion ist die schönste Bestätigung für die neuen Fähigkeiten. Es zeigt Ihrem Kind, dass seine Beobachtungen richtig waren und sein Handeln in der Welt der Erwachsenen Anklang findet.

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