Der Greifreflex erwacht: Das Spiel mit der Nabelschnur
Häufige Fragen
Im geschützten Raum des Mutterleibs bereitet sich Ihr Kind auf das Leben in der großen Welt vor. Die kleinen Hände werden immer geschickter und beginnen, nach Dingen in ihrer Reichweite zu greifen. Oft ist die Nabelschnur das allererste Spielzeug, an dem der Greifreflex liebevoll und ausdauernd geübt wird.
Was sich beim Kind zeigt
Die Entwicklung des Tastsinns beginnt sehr früh in der Schwangerschaft. Ihr Baby schwimmt nicht einfach nur im Fruchtwasser, sondern es erkundet seine faszinierende kleine Welt aktiv. Dabei nutzt es die Lippen, die Zunge und vor allem die stetig wachsenden Hände. Wenn die feinen Finger zufällig auf die Nabelschnur treffen, schließen sie sich instinktiv darum. Dieses Greifen, Festhalten und wieder Loslassen ist ein wunderbares Training für das Gehirn und die Muskulatur.
Manchmal lässt sich dieses innige Spiel sogar bei einer Ultraschalluntersuchung beobachten. Das Kind hält die Nabelschnur fest, zieht sanft daran oder lässt sie wieder durch die Finger gleiten. Die Nabelschnur ist dabei perfekt für dieses Spiel gemacht. Sie ist von einer dicken, schützenden Schicht umgeben, der sogenannten Wharton-Sulze. Diese gallertartige Masse verhindert zuverlässig, dass die wichtigen Blutgefäße im Inneren abgedrückt werden, selbst wenn Ihr Kind einmal kräftig zupackt. So wird die Nabelschnur zum sicheren und vertrauten Begleiter durch die gesamte Schwangerschaft.
Durch das ständige Tasten und Greifen lernt das kleine Gehirn, Bewegungen gezielt zu steuern. Jeder Kontakt mit der Nabelschnur sendet wertvolle Reize an das Nervensystem. Ihr Kind sammelt so erste Erfahrungen mit Widerstand, Beschaffenheit und Bewegung im flüssigen Raum des Fruchtwassers. Das Fruchtwasser überträgt zudem sanfte Schwingungen, wenn Sie sich bewegen oder sprechen. Diese Schwingungen spürt Ihr Kind auch an den Händen, während es die Nabelschnur hält. Es ist ein ganzheitliches Erlebnis aus Tasten, Fühlen und Hören. Die feinen Nervenenden in den Fingerspitzen werden durch diese ständige Stimulation immer sensibler. Diese frühen taktilen Erlebnisse legen den Grundstein für die spätere Feinmotorik. Wenn Ihr Baby nach der Geburt nach Ihrem Finger greift, wendet es genau die Fähigkeiten an, die es an seiner Nabelschnur so fleißig geübt hat.
Typischer Zeitrahmen
Die Entwicklung des Greifens verläuft in fließenden Übergängen und jedes Kind findet dabei seinen eigenen Rhythmus. Oft beginnen die ersten unbewussten Greifbewegungen bereits im zweiten Trimester der Schwangerschaft. Viele Kinder schließen ihre Hände, wenn die Handinnenflächen berührt werden. Dies ist ein wunderschönes Zeichen für den erwachenden Greifreflex.
Im letzten Drittel der Schwangerschaft wird der Griff dann zunehmend kräftiger und koordinierter. Manche Babys verbringen in dieser Phase viel Zeit damit, ihre Hände zu bewegen und nach der Nabelschnur zu tasten. Die Bewegungen werden zielgerichteter, da das Nervensystem immer reifer wird. Es ist eine Zeit des intensiven Lernens und Ausprobierens im verborgenen Raum des Bauches.
So begleiten Sie
Auch wenn Sie Ihrem Kind noch kein physisches Spielzeug in die Hand geben können, lässt sich diese faszinierende Entwicklungsphase wunderbar von außen begleiten. Ihre Zuwendung spürt Ihr Kind sehr deutlich.
- Sanfte Berührungen: Streicheln Sie sanft über den Bauch. Ihr Kind spürt den Druck und die Wärme durch die Bauchdecke. Oft reagieren Babys auf diese liebevolle Zuwendung mit eigenen Bewegungen oder strampeln freudig.
- Ruhepausen einlegen: Nehmen Sie sich bewusst Zeit im Alltag, um in sich hineinzuspüren. In ruhigen Momenten nehmen Sie die sanften Bewegungen, das Drehen und vielleicht sogar das Tasten Ihres Kindes viel deutlicher wahr. Diese Pausen stärken die innere Verbindung.
- Mit dem Baby sprechen: Ihre Stimme ist eine vertraute Konstante im Leben Ihres Kindes. Sprechen oder singen Sie leise. Das Hören Ihrer Stimme und das gleichzeitige Tasten nach der Nabelschnur verbinden verschiedene Sinnesreize auf harmonische Weise miteinander.
- Auf Impulse antworten: Wenn Sie einen sanften Tritt oder eine Bewegung spüren, können Sie sanft an dieselbe Stelle klopfen. So entsteht ein erstes kleines Kommunikationsspiel zwischen Ihnen und Ihrem Kind, das beiden Freude bereitet.
- Entspannung fördern: Wenn Sie entspannt sind, überträgt sich diese Ruhe auch auf Ihr Kind. Ein warmes Bad oder sanfte Musik können eine wunderbare Atmosphäre schaffen, in der Ihr Kind ungestört seine Greifübungen fortsetzen kann.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen können
Es ist völlig verständlich, dass werdende Eltern sich manchmal Gedanken machen, besonders wenn es um die Nabelschnur geht. Die Natur hat jedoch wunderbar vorgesorgt, sodass das Greifen und Spielen für Ihr Kind absolut sicher ist. Die schützende Schicht der Nabelschnur hält allen Greifübungen stand.
Wenn Sie dennoch unsicher sind oder die Bewegungen Ihres Kindes plötzlich über längere Zeit anders wahrnehmen, können Sie jederzeit Ihre Hebamme oder Ihre gynäkologische Praxis ansprechen. Es ist immer gut, Fragen zu stellen und sich beruhigen zu lassen. Nach der Geburt wird dann Ihr Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin bei den ersten Vorsorgeuntersuchungen schauen, wie sich die Reflexe Ihres Babys weiterentwickelt haben. Der bewährte Greifreflex, den Ihr Kind vor der Geburt so fleißig trainiert hat, wird dann vom Kinderarzt oder der Kinderärztin liebevoll begrüßt und als wichtiges Zeichen einer gesunden Entwicklung beobachtet.
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