Ein großer Schritt: Ihr Kind lässt sich nach dem Abschied trösten
Häufige Fragen
Der Moment des Abschieds bringt oft noch Tränen mit sich, doch kurze Zeit später kuschelt sich Ihr Kind bereits an eine andere vertraute Person und beruhigt sich. Dieser emotionale Meilenstein zeigt, dass Ihr Kind ein tiefes Vertrauen in seine Umgebung entwickelt hat. Es versteht nun immer besser, dass Sie zurückkehren, und kann sich in der Zwischenzeit auf andere Menschen einlassen.
Was sich beim Kind zeigt
In dieser Phase erleben Eltern oft eine Mischung aus starken Gefühlen. Ihr Kind klammert sich vielleicht an Sie, wenn Sie die Jacke anziehen, oder weint, wenn Sie sich der Tür nähern. Diese Reaktionen zeigen eine starke und liebevolle Bindung zu Ihnen. Der entscheidende neue Schritt passiert jedoch in den Minuten nach Ihrem Gehen.
Sobald Sie außer Sichtweite sind, wendet sich Ihr Kind einer anderen vertrauten Bezugsperson zu. Das kann eine Erzieherin in der Kita, ein Großelternteil oder ein Babysitter sein. Ihr Kind lässt sich auf den Arm nehmen, ansprechen und durch sanfte Worte oder eine Umarmung regulieren. Die Tränen versiegen, die Atmung wird ruhiger, und die Körperspannung lässt nach.
Oft nutzen Kinder in diesem Alter auch kleine Hilfsmittel, um sich selbst zu trösten. Sie drücken vielleicht ihr Lieblingskuscheltier fest an sich, saugen an einem Schnuller oder halten ein Tuch, das nach Ihnen riecht. Nach einer kurzen Phase des Ankommens beginnt Ihr Kind, sich wieder für seine Umgebung zu interessieren. Es greift nach einem Spielzeug, beobachtet andere Kinder oder lässt sich in ein Spiel verwickeln.
Interessant ist auch die Reaktion bei Ihrer Rückkehr. Viele Kinder freuen sich strahlend, wenn Sie wieder durch die Tür kommen. Andere fangen im Moment des Wiedersehens plötzlich wieder an zu weinen. Dies ist ein Zeichen tiefer Erleichterung: Die Anspannung des Tages fällt ab, weil der sichere Hafen wieder da ist.
Typischer Zeitrahmen
Dieser emotionale Entwicklungsschritt zeigt sich bei vielen Kindern in der Zeit zwischen 13 und 36 Monaten. In diesem Alter wächst das Verständnis dafür, dass Dinge und Personen auch dann noch existieren, wenn sie gerade nicht zu sehen sind. Diese sogenannte Objektpermanenz hilft Ihrem Kind enorm beim Abschiednehmen.
Manche Kinder lassen sich schon sehr früh problemlos von anderen trösten, während andere etwas mehr Zeit und Übung brauchen. Auch tagesaktuelle Faktoren spielen eine große Rolle. Wenn Ihr Kind müde ist, zahnt oder einen leichten Infekt in sich trägt, fällt das Loslassen oft schwerer. An solchen Tagen fließen vielleicht mehr Tränen, und das Beruhigen dauert ein wenig länger.
So begleiten Sie Ihr Kind
Ihre eigene Haltung und kleine Rituale können Ihrem Kind helfen, diesen emotionalen Schritt gut zu meistern. Kinder haben feine Antennen für die Gefühle ihrer Eltern.
Ein liebevoller, klarer Abschied: Verabschieden Sie sich immer bewusst von Ihrem Kind. Heimliches Davonschleichen kann das Vertrauen erschüttern, da das Kind in ständiger Sorge bleibt, Sie könnten plötzlich verschwinden. Ein kurzer, klarer Abschied gibt Sicherheit.
Gefühle benennen und annehmen: Zeigen Sie Verständnis für den Trennungsschmerz. Sätze wie "Ich sehe, dass du traurig bist, weil ich jetzt gehe" helfen Ihrem Kind, seine eigenen Emotionen zu verstehen. Es fühlt sich gesehen und mit seinem Kummer ernst genommen.
Ein Stück von zu Hause mitgeben: Ein vertrautes Objekt kann wahre Wunder wirken. Ein Kuscheltier, ein kleines Tuch oder sogar ein Schal, der nach Ihnen riecht, dient als Brücke zwischen Ihnen und der Betreuungsperson. Es gibt dem Kind etwas Greifbares, an dem es sich festhalten kann.
Wiederkehr kindgerecht ankündigen: Zeitangaben wie "um drei Uhr" sind für Kleinkinder noch schwer zu greifen. Nutzen Sie stattdessen Orientierungspunkte aus dem Alltag Ihres Kindes. Sie können sagen: "Nach dem Mittagessen und dem Schlafen hole ich dich wieder ab."
Vertrauen ausstrahlen: Wenn Sie der Betreuungsperson mit einem Lächeln und voller Vertrauen begegnen, spürt Ihr Kind das. Ihre innere Ruhe signalisiert dem Kind, dass es hier sicher ist und sich entspannen darf.
Wenn der Abschied dauerhaft schwerfällt
Jedes Kind hat sein eigenes Tempo bei der emotionalen Entwicklung. Es gibt Phasen, in denen die Trennungsangst wieder präsenter wird. Wenn Sie jedoch beobachten, dass Ihr Kind sich über einen sehr langen Zeitraum gar nicht trösten lässt, dauerhaft verzweifelt bleibt und Sie sich Sorgen um sein Wohlbefinden machen, ist die kinderärztliche Praxis ein guter Ort für ein Gespräch. Gemeinsam mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin können Sie in Ruhe schauen, wie Sie und Ihr Kind in dieser emotionalen Phase am besten unterstützt werden können.
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