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Ganz alleine trinken: Der erste offene Becher

Häufige Fragen

Das Trinken aus einem offenen Becher ist ein faszinierender Schritt in der feinmotorischen Entwicklung. Ihr Kind lernt dabei, Handbewegungen exakt zu koordinieren und die Lippenmuskulatur gezielt einzusetzen. Für Eltern ist es ein wunderbarer Moment, diesen wachsenden Drang nach Selbstständigkeit am gemeinsamen Esstisch zu beobachten.

Was sich beim Kind zeigt

Wenn Ihr Kind beginnt, sich für offene Becher zu interessieren, passieren viele komplexe Vorgänge gleichzeitig. Zunächst beobachten Sie oft, wie Ihr Kind das Trinkgefäß mit beiden Händen fest umschließt. Diese beidhändige Führung gibt Sicherheit und hilft dabei, das Gewicht des Bechers besser einzuschätzen. Die Augen fixieren den Rand, während die Hände das Gefäß langsam in Richtung des Gesichts bewegen. Diese Hand-Auge-Koordination ist eine enorme kognitive und motorische Leistung.

Sobald der Becher die Lippen berührt, zeigt sich eine weitere spannende Entwicklung in der Mundmotorik. Ihr Kind formt mit den Lippen ein leichtes Siegel an der Becherkante. Die Zunge, die beim Trinken aus der Flasche noch eine saugende Bewegung ausführte, lernt nun, den Flüssigkeitsstrom im Mundraum zu kontrollieren. Gleichzeitig muss das Atmen für den kurzen Moment des Schluckens koordiniert pausiert werden. Es ist völlig alltäglich, dass diese Abstimmung anfangs noch viel Konzentration erfordert.

Auch die Rumpfkontrolle spielt eine wichtige Rolle. Um sicher trinken zu können, richtet sich Ihr Kind im Sitz auf und stabilisiert den Oberkörper. Der Kopf wird leicht in den Nacken gelegt, um den Becher zu kippen. Gerade dieses Kippen ist eine große Herausforderung. Oft beobachten Eltern, dass der Becher anfangs zu stark geneigt wird, was in einer kleinen Überschwemmung endet. Mit der Zeit lernt Ihr Kind, den Neigungswinkel immer feiner zu dosieren.

Neben der reinen Motorik ist auch die emotionale Komponente deutlich spürbar. Viele Kinder strahlen vor Stolz, wenn sie den Becher ganz alleine zum Mund geführt haben. Der Wunsch, es den Großen am Tisch gleichzutun, ist ein starker Antrieb. Selbst wenn viel Wasser auf dem T-Shirt landet, überwiegt oft die Freude über die eigene Selbstständigkeit. Das anschließende Absetzen des Bechers auf dem Tisch erfordert ebenfalls viel Feingefühl, damit das Gefäß nicht hart aufschlägt oder umkippt.

Typischer Zeitrahmen

Viele Kinder zeigen oft zwischen dem 13. und 36. Lebensmonat ein wachsendes Interesse daran, aus einem offenen Becher zu trinken. Manche Kinder greifen schon sehr früh nach den Gläsern der Eltern und möchten es unbedingt selbst versuchen. Andere Kinder bevorzugen für eine längere Zeit geschlossene Trinkgefäße oder Strohhalmbecher und wagen sich erst später an den offenen Rand.

Diese Entwicklung verläuft in ganz individuellen Etappen. Manche Kinder perfektionieren das Trinken innerhalb weniger Wochen, während andere über viele Monate hinweg immer mal wieder üben, bevor sie den offenen Becher bei jeder Mahlzeit nutzen. Jeder dieser Wege ist ein wunderbarer Teil der persönlichen Entwicklung.

So begleiten Sie

Sie können Ihr Kind bei diesem Lernprozess wunderbar im Alltag unterstützen, ohne ein formelles Training daraus zu machen. Eine entspannte Atmosphäre am Esstisch ist dabei die beste Grundlage.

Wenig Flüssigkeit einfüllen

Füllen Sie anfangs nur einen winzigen Schluck Wasser in den Becher. Wenn das Gefäß kippt, landet so nur eine kleine Menge auf der Kleidung oder dem Tisch. Das reduziert den Stress für alle Beteiligten und Ihr Kind kann das Neigen des Bechers üben, ohne von einem großen Wasserschwall überrascht zu werden. Sobald das Trinken sicherer wird, können Sie die Menge langsam steigern.

Einen passenden Becher wählen

Ein kleiner, leichter Becher eignet sich für die ersten Versuche besonders gut. Materialien wie weiches Silikon oder robuster Kunststoff schonen die Zähne, falls der Becher einmal ungestüm zum Mund geführt wird. Ein schmaler Durchmesser hilft den kleinen Händen, das Gefäß sicher zu greifen. Manche Becher haben kleine Aussparungen für die Nase, was das Trinken ohne starkes Neigen des Kopfes erleichtert.

Pannen gelassen nehmen

Nasse Pullover und Pfützen auf dem Tisch gehören zu diesem Lernschritt fest dazu. Wenn Sie gelassen reagieren und das Wasser einfach mit einem Tuch aufwischen, lernt Ihr Kind, dass Fehler ein ganz natürlicher Teil des Ausprobierens sind. Ein großes Lätzchen oder das Üben im Sommer mit wenig Kleidung können den Alltag zusätzlich erleichtern.

Gemeinsame Mahlzeiten als Vorbild nutzen

Kinder lernen unglaublich viel durch bloßes Beobachten. Wenn Sie gemeinsam am Tisch sitzen und aus Ihren eigenen Gläsern trinken, schaut sich Ihr Kind die Bewegungsabläufe ganz natürlich ab. Sie können auch fröhlich miteinander anstoßen. Das macht Spaß und motiviert Ihr Kind, den eigenen Becher immer wieder in die Hand zu nehmen.

Mit der Konsistenz experimentieren

Manchmal fällt der Einstieg mit einer etwas dickflüssigeren Konsistenz leichter. Ein cremiger Smoothie oder ein leicht angedicktes Püree fließen beim Kippen des Bechers deutlich langsamer als Wasser. Das gibt Ihrem Kind mehr Zeit, die Lippen zu schließen und den Schluckvorgang zu kontrollieren.

Wann mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt sprechen

Der Übergang zum offenen Becher ist ein Prozess, der viel Zeit und Geduld erfordert. Wenn Sie jedoch beobachten, dass Ihr Kind beim Trinken dauerhaft große Schwierigkeiten hat, den Mund zu schließen, oder wenn es sich bei jedem Versuch stark verschluckt und hustet, ist ein kurzes Gespräch in der Kinderarzt-Praxis eine gute Idee.

Auch wenn Sie ganz allgemein unsicher sind, wie sich die Mundmotorik Ihres Kindes entwickelt, können Sie dies bei den regulären Vorsorgeuntersuchungen ansprechen. Die Kinderärztin oder der Kinderarzt kann die motorischen Fähigkeiten sanft beobachten und Ihnen bei Bedarf wertvolle, beruhigende Tipps für den Familienalltag mitgeben.

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