Guck mal da: Wie Ihr Kind seine Welt mit Ihnen teilt
Häufige Fragen
Ein ausgestreckter Zeigefinger, ein aufgeregter Blick zu Ihnen und dann wieder zurück zu dem faszinierenden Objekt: Ihr Kind hat gerade etwas Spannendes entdeckt und möchte dieses Erlebnis mit Ihnen teilen. Diese sogenannte geteilte Aufmerksamkeit ist ein wunderbarer kognitiver Entwicklungsschritt. Ihr Kind begreift nun, dass Sie beide die Welt gemeinsam betrachten können. Es geht nicht mehr nur darum, einen Keks zu verlangen. Es geht um das reine Vergnügen, gemeinsam einen Hund, ein Flugzeug oder einen bunten Stein zu bestaunen.
Das Teilen von Aufmerksamkeit ist ein Meilenstein, der tief in der kognitiven Entwicklung verwurzelt ist. Ihr Kind beginnt zu verstehen, dass andere Menschen eigene Gedanken, Blicke und Interessen haben. Wenn es auf einen fliegenden Vogel zeigt, möchte es sichergehen, dass Sie genau dieses faszinierende Schauspiel ebenfalls wahrnehmen. Es ist der Beginn eines echten Dialogs über die Welt.
Was sich beim Kind zeigt
In dieser spannenden Phase beobachten Eltern oft ganz neue Formen der Kommunikation. Ihr Kind nutzt seinen Zeigefinger nicht mehr nur als Werkzeug, um an unerreichbare Dinge zu gelangen. Es nutzt ihn wie einen kleinen Scheinwerfer, um Ihre Aufmerksamkeit ganz gezielt auf etwas zu lenken. Dabei sucht es immer wieder den direkten Blickkontakt zu Ihnen. Dieser Wechselblick, vom Objekt zu Ihnen und wieder zum Objekt, ist ein klares Zeichen für diese neue kognitive Fähigkeit.
Manchmal bringt Ihr Kind Ihnen auch Gegenstände, drückt sie Ihnen aber nicht in die Hand. Es hält Ihnen vielleicht ein Bilderbuch, ein buntes Herbstblatt oder ein Spielzeugauto entgegen, wartet auf Ihre Reaktion und nimmt es dann wieder an sich. Es möchte Ihnen einfach zeigen, was es gefunden hat. Oft wird dieses Zeigen von begeisterten Lauten, einem lauten Lachen oder den ersten Wörtern begleitet. Ihr Kind freut sich sichtlich, wenn Sie die Entdeckung anerkennen und mit ihm zusammen staunen.
Diese Entwicklung zeigt, dass Ihr Kind ein Bewusstsein für die Perspektive anderer entwickelt. Es versteht, dass Sie etwas vielleicht noch nicht gesehen haben, was es selbst gerade fasziniert. Durch das Zeigen und Teilen baut Ihr Kind eine unsichtbare Brücke zwischen seiner Erlebniswelt und Ihrer. Es ist ein tiefes soziales und kognitives Verbinden, das weit über einfache Bedürfnisbefriedigung hinausgeht.
Sie werden vielleicht auch bemerken, dass Ihr Kind beginnt, Ihre Blicke zu verfolgen. Wenn Sie plötzlich aufschauen und interessiert aus dem Fenster blicken, wird Ihr Kind oft versuchen herauszufinden, was Sie dort sehen. Dieses Verfolgen der Blickrichtung ist die andere, ebenso wichtige Seite der geteilten Aufmerksamkeit.
Typischer Zeitrahmen
Viele Kinder beginnen oft schon um den ersten Geburtstag herum mit einfachen Formen des Zeigens. In der Phase zwischen 13 und 36 Monaten wird dieses Verhalten meist immer bewusster, komplexer und sprachlicher begleitet. Manche Kinder nehmen sich dafür etwas mehr Zeit, während andere schon früh ununterbrochen auf alles in ihrer Umgebung aufmerksam machen. Die Art und Weise, wie Kinder ihre Welt teilen, ist so einzigartig wie ihre Persönlichkeit. Manche sind stille Beobachter, die nur gelegentlich auf etwas Bedeutsames deuten, andere kommentieren ihre Umgebung fast pausenlos mit Gesten und Lauten.
So begleiten Sie
Sie können diese wunderbare Phase der geteilten Aufmerksamkeit wunderbar im Alltag unterstützen, ohne ein spezielles Programm absolvieren zu müssen. Ihre natürliche, zugewandte Reaktion ist das Wertvollste für Ihr Kind. Es gibt viele kleine Momente am Tag, die sich für dieses gemeinsame Entdecken eignen.
Blicke erwidern und benennen: Wenn Ihr Kind auf etwas deutet, schauen Sie in die gleiche Richtung. Bestätigen Sie die Entdeckung mit Worten. Ein einfaches "Ja, da ist ein großer Bagger" oder "Ich sehe den Hund auch" gibt Ihrem Kind das Gefühl, verstanden und ernst genommen zu werden. Es lernt dabei gleichzeitig, wie die faszinierenden Dinge in seiner Welt heißen, was die Sprachentwicklung wunderbar unterstützt.
Eigene Entdeckungen teilen: Sie können den Spieß auch umdrehen und selbst die Initiative ergreifen. Zeigen Sie auf Dinge, die Sie im Alltag spannend finden. Ein Vogel auf dem Ast, eine bunte Blume am Wegesrand oder der Mond am Abendhimmel sind tolle Gelegenheiten. Wenn Sie auf etwas deuten und Ihr Kind Ihrem Blick folgt, üben Sie gemeinsam diese wichtige Form der Aufmerksamkeit.
Zeit zum Reagieren geben: Kinder verarbeiten Reize in ihrem eigenen Tempo. Wenn Sie auf etwas aufmerksam machen, warten Sie einen Moment. Geben Sie Ihrem Kind die Chance, den Blick zu wenden, das Objekt zu finden und darauf zu reagieren. Geduld ist hier ein wunderbarer Begleiter, denn kleine Kinderaugen müssen oft erst fokussieren und die Information verarbeiten.
Freude an der Verbindung zeigen: Zeigen Sie Ihre ehrliche Begeisterung, wenn Ihr Kind etwas mit Ihnen teilt. Ein Lächeln, ein erstaunter Gesichtsausdruck oder ein fröhliches Wort bestärken Ihr Kind darin, immer wieder den Kontakt zu Ihnen zu suchen. Diese positiven Rückmeldungen stärken die emotionale Bindung enorm und machen das gemeinsame Entdecken zu einem freudigen Erlebnis für Sie beide.
Auf Augenhöhe begeben: Wenn Sie sich hinhocken oder zu Ihrem Kind auf den Boden setzen, fällt das gemeinsame Betrachten oft leichter. Sie sehen die Welt buchstäblich aus der gleichen Perspektive. Das macht es für Ihr Kind einfacher, Ihrem Blick zu folgen, und für Sie einfacher zu erkennen, was genau die Aufmerksamkeit Ihres Kindes gefesselt hat.
Wann mit dem Kinderarzt sprechen
Wenn Sie bemerken, dass Ihr Kind im Verlauf des zweiten Lebensjahres wenig Interesse daran zeigt, Dinge gemeinsam anzuschauen, oder selten auf Gegenstände deutet, ist das ein guter Moment für ein kurzes Gespräch. Auch wenn es kaum Blickkontakt sucht, um Erlebnisse zu teilen, oder nicht auf Ihre Gesten reagiert, können Sie dies bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung ansprechen. Die Kinderärztin oder der Kinderarzt kann die Entwicklung liebevoll einordnen, Ihre Beobachtungen besprechen und Ihnen bei Bedarf wertvolle Impulse für den Alltag geben. Ein solches Gespräch dient vor allem dazu, Sie zu beruhigen und Ihr Kind bestmöglich auf seinem eigenen Weg zu begleiten.
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