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Kleine Entdecker: Das erste Öffnen von Dosen und Deckeln

Häufige Fragen

Es ist ein scheinbar kleiner Moment im Alltag, der jedoch eine gewaltige kognitive und motorische Leistung darstellt. Ihr Kind entdeckt, dass Dosen, Schachteln und Flaschen ein Geheimnis bergen, und beginnt gezielt, diese Verschlüsse zu öffnen. Dieser Meilenstein verbindet feine Handbewegungen mit dem logischen Verständnis für Ursache und Wirkung.

Was sich beim Kind zeigt

Das Öffnen von Behältern ist für kleine Entdecker weit mehr als nur ein Spiel. Es ist angewandte Physik und ein tägliches Training für die Hände. Zunächst beobachten Sie vielleicht, wie Ihr Kind einfache Steckdeckel von Plastikdosen abzieht. Dafür braucht es einen festen Griff und eine gute Portion Entschlossenheit.

Besonders faszinierend ist dabei das Zusammenspiel der beiden Hände. Ihr Kind lernt eine hochkomplexe Fähigkeit, die Fachleute als asymmetrische bilaterale Koordination bezeichnen. Eine Hand übernimmt die haltende, stabilisierende Rolle, während die andere Hand die aktive, öffnende Bewegung ausführt. Diese Arbeitsteilung ist ein riesiger Schritt für die Gehirnentwicklung.

Das Hantieren mit Deckeln schult zudem die sensorische Wahrnehmung. Ein Metalldeckel fühlt sich kühl und glatt an, während ein Plastikdeckel leicht nachgibt. Ihr Kind ertastet diese Unterschiede und passt seinen Griff entsprechend an. Es lernt, wie viel Druck nötig ist, um einen Pappkarton zu öffnen, ohne ihn zu zerdrücken, im Gegensatz zu einer stabilen Holzdose. Diese feine Dosierung der Kraft ist eine Kunst für sich.

Mit der Zeit werden die Bewegungen feiner und zielgerichteter. Das bloße Ziehen wird durch Drehen ersetzt. Ihr Kind probiert aus, wie sich Schraubverschlüsse verhalten. Es greift mit den Fingern um den Deckel, wendet Kraft an und dreht das Handgelenk. Oft wird dieser Vorgang von hoher Konzentration und einer leicht herausgestreckten Zunge begleitet.

Das Greifen nach kleinen Deckeln trainiert zudem den sogenannten Pinzettengriff. Daumen und Zeigefinger arbeiten präzise zusammen, um auch flache oder rutschige Verschlüsse zu fassen. Diese feine Fingerfertigkeit ist eine wichtige Vorbereitung für spätere Aufgaben, wie das Halten eines Stiftes oder das Zuknöpfen einer Jacke. Ihr Kind baut sich in dieser Phase das motorische Fundament für die kommende Selbstständigkeit.

Auch emotional passiert in dieser Phase unheimlich viel. Das Öffnen erfordert Geduld und Frustrationstoleranz. Wenn ein Deckel klemmt, kann das zu lautstarkem Unmut führen. Gelingt es jedoch, den Verschluss zu knacken, leuchten die Augen vor Stolz. Der Inhalt der Dose ist dabei oft zweitrangig, denn der wahre Triumph liegt im erfolgreichen Öffnen selbst.

Zudem vertieft Ihr Kind sein Verständnis für Objektpermanenz. Es weiß nun ganz sicher, dass Dinge auch dann existieren, wenn sie unter einem Deckel verborgen sind. Das Öffnen der Dose ist also immer auch eine kleine Schatzsuche, die den Entdeckerdrang stillt.

Auch im Spielzeugbereich zeigt sich dieses neue Können. Plötzlich werden Steckbausteine nicht nur aufeinandergetürmt, sondern auch ineinandergeschoben und wieder auseinandergezogen. Das Prinzip von Passen und Trennen, das beim Deckelöffnen gelernt wird, überträgt sich auf viele andere Lebensbereiche.

Typischer Zeitrahmen

Die Entwicklung dieser feinmotorischen Fähigkeiten erstreckt sich über einen längeren Zeitraum. Viele Kinder beginnen oft zwischen 13 und 18 Monaten damit, einfache, lose aufliegende Deckel abzuheben oder abzuziehen. In diesem Alter steht meist noch die grobe Kraft im Vordergrund.

Das komplexere Aufdrehen von Schraubverschlüssen folgt meist etwas später. Oft zeigen Kinder zwischen 18 und 24 Monaten ein erstes Verständnis für die Drehbewegung, auch wenn die Kraft noch nicht immer ausreicht. Sie ahmen die Handlungen der Erwachsenen nach und versuchen, Flaschendeckel zu bewegen.

Zwischen dem zweiten und dritten Geburtstag verfeinert sich diese Technik enorm. Viele Kinder meistern in dieser Zeit auch fester sitzende Schraubverschlüsse oder komplexere Klappdeckel. Jedes Kind wählt dabei sein eigenes Tempo, manche perfektionieren diese Fähigkeit früher, andere widmen sich zunächst lieber der Fortbewegung.

So begleiten Sie

Sie können diese spannende Phase wunderbar im Alltag unterstützen, ohne spezielle Übungen erfinden zu müssen. Die beste Umgebung ist oft schlichtweg die heimische Küche.

Eine eigene Entdeckerschublade einrichten: Räumen Sie ein bodennahes Fach in der Küche frei. Füllen Sie es mit ungefährlichen Plastikdosen, kleinen Töpfen mit Deckeln und leeren, sauberen Vorratsbehältern. Ihr Kind kann sich hier völlig frei bedienen und die verschiedenen Verschlüsse in seinem eigenen Rhythmus erforschen.

Erfolgserlebnisse ermöglichen: Wenn Ihr Kind Interesse an einem bestimmten Schraubverschluss zeigt, lockern Sie diesen vorher unauffällig. So reicht die kindliche Kraft aus, um den Deckel abzudrehen. Das stärkt das Selbstvertrauen und motiviert zum Weiterüben.

Den Inhalt spannend gestalten: Verstecken Sie kleine Überraschungen in den Dosen. Ein paar trockene Nudeln, die beim Schütteln rasseln, oder ein kleines Spielzeugauto machen das Öffnen noch lohnenswerter. So verbinden Sie das motorische Training direkt mit einem auditiven oder visuellen Reiz.

Handlungen sprachlich begleiten: Kommentieren Sie, was passiert, um das Sprachverständnis zu fördern. Ein einfaches "Auf und zu" oder "Drehen, drehen, ab" hilft Ihrem Kind, die motorische Handlung mit den passenden Worten zu verknüpfen. Das gibt der Situation Struktur und gemeinsame Aufmerksamkeit.

Badezeit als Übungsfeld nutzen: Die Badewanne bietet eine fantastische Gelegenheit zum Experimentieren. Leere Shampoo-Flaschen oder kleine Becher laden dazu ein, mit Wasser gefüllt und verschlossen zu werden. Im warmen Wasser entspannt sich die Muskulatur, und das Hantieren mit nassen, rutschigen Deckeln bietet noch einmal eine ganz neue taktile Herausforderung.

Gemeinsames Aufräumen als Spiel: Wenn das Spiel vorbei ist, können Sie das Verschließen der Dosen als gemeinsames Ritual gestalten. Das Finden des passenden Deckels zur richtigen Dose ist ein wunderbares Zuordnungsspiel. Es schult das räumliche Vorstellungsvermögen und bringt einen ruhigen Abschluss in die Entdeckungsreise.

Sicherheit neu denken: Mit dieser neuen Fähigkeit ändert sich auch der Sicherheitsbedarf in Ihrem Zuhause. Kindersicherungen an Putzmitteln oder Medikamenten müssen nun besonders zuverlässig sein. Ihr Kind versteht jetzt das Prinzip des Öffnens, weshalb gefährliche Substanzen unbedingt außer Reichweite aufbewahrt werden müssen.

Wann ein Gespräch mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt sinnvoll ist

Die motorische Entwicklung verläuft bei jedem Kind individuell und in Schüben. Wenn Sie jedoch beobachten, dass Ihr Kind über einen längeren Zeitraum hinweg beide Hände nicht gemeinsam einsetzen möchte, ist ein kurzer Austausch sinnvoll.

Auch wenn Ihr Kind extreme Frustration bei feinmotorischen Aufgaben zeigt oder das Greifen von Gegenständen generell vermeidet, können Sie dies bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung ansprechen. Die Kinderärztin oder der Kinderarzt kann die Handkoordination spielerisch begutachten. Meist lassen sich kleine Hürden in der Entwicklung durch gezielte, alltagsnahe Tipps wunderbar begleiten.

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