Meilenstein: Einen kleinen Turm bauen
Häufige Fragen
Wenn ein Kind beginnt, Bauklötze aufeinanderzusetzen, ist das ein faszinierender Moment der motorischen Entwicklung. Das feine Greifen und gezielte Loslassen wird dabei intensiv geübt. Gleichzeitig entdeckt das Kind spielerisch die Schwerkraft und die eigene Geschicklichkeit.
Was sich beim Kind zeigt
Das Bauen eines kleinen Turms ist eine komplexe Aufgabe, die weit über das bloße Aufeinanderlegen von Gegenständen hinausgeht. Eltern können oft eine tiefe Konzentration beobachten, wenn das Kind nach einem Bauklotz greift. Zunächst wird das Objekt genau fixiert. Das Kind nutzt dabei zunehmend den sogenannten Pinzettengriff, um den Klotz sicher zu halten. Diese feinen Bewegungen der Finger erfordern ein hohes Maß an Koordination.
Besonders spannend ist der Moment des Loslassens. Was für Erwachsene einfach erscheint, ist für ein Kleinkind eine motorische Meisterleistung. Das bewusste Öffnen der Hand zum exakt richtigen Zeitpunkt erfordert viel Übung. Oft sehen Eltern, wie das Kind den Klotz zunächst noch festhält, während es ihn auf den anderen drückt, weil das Loslassen noch schwerfällt.
Neben der Motorik spielt das Verständnis für Ursache und Wirkung eine große Rolle. Das Kind lernt, dass ein Klotz auf dem anderen liegen bleibt, wenn er mittig platziert wird. Es erfährt aber auch, dass der Turm umfällt, wenn das Gleichgewicht nicht stimmt. Dieses Umfallen ist ein zentraler Teil des Lernprozesses. Viele Kinder haben große Freude daran, den mühsam gebauten Turm direkt wieder umzustoßen.
Auch das räumliche Vorstellungsvermögen wird in dieser Phase trainiert. Das Kind beginnt zu verstehen, wie Gegenstände im Raum zueinander stehen. Durch Ausprobieren sammelt es wertvolle Informationen über Formen, Größen und Gewichtsverteilung. Das laute Krachen beim Umfallen ist dabei ein faszinierendes physikalisches Experiment.
Die emotionale Entwicklung zeigt sich in dieser Phase ebenfalls deutlich. Es kann zu Frustration kommen, wenn der Turm immer wieder kippt. Gleichzeitig erleben Eltern den unglaublichen Stolz und das strahlende Gesicht des Kindes, wenn zwei oder drei Klötze endlich stabil aufeinanderstehen. Diese Wechselbäder der Gefühle begleiten das kindliche Spiel und stärken die Ausdauer.
Typischer Zeitrahmen
Die Entwicklung dieser motorischen Fähigkeit verläuft in individuellen Schritten. Viele Kinder beginnen oft zwischen 13 und 18 Monaten damit, zwei Bauklötze erfolgreich aufeinanderzusetzen. In dieser frühen Phase geht es vor allem um das erste Verständnis dafür, dass Gegenstände gestapelt werden können.
Mit zunehmender Übung wächst der Turm. Oft im Alter zwischen 18 und 24 Monaten schaffen es viele Kinder, drei bis vier Klötze zu stapeln. Die Bewegungen werden flüssiger, und das Auge leitet die Hand immer präziser. Zwischen dem zweiten und dritten Geburtstag bauen viele Kinder dann schon Türme aus sechs oder mehr Klötzen.
Jedes Kind hat dabei sein ganz eigenes Tempo. Manche Kinder widmen sich mit großer Ausdauer dem Bauen, während andere lieber klettern oder rennen und das Stapeln erst später für sich entdecken. All diese Wege sind völlig natürlich und Teil der individuellen Entdeckungsreise.
So begleiten Sie
Die Freude am Bauen lässt sich wunderbar in den Alltag integrieren, ohne dass es ein gezieltes Training braucht. Es geht vielmehr darum, eine anregende Umgebung zu schaffen.
Passendes Material anbieten: Für die ersten Bauversuche eignen sich einfache Holzklötze oder leichte Kunststoffbecher besonders gut. Sie sollten groß genug sein, damit das Kind sie gut greifen kann, aber nicht zu schwer. Klötze mit einer glatten Oberfläche lassen sich leichter stapeln und sorgen für schnelle Erfolgserlebnisse.
Einen stabilen Untergrund wählen: Ein weicher Teppich oder das Bett machen das Bauen unnötig schwer. Ein flacher Spielteppich, der feste Fußboden oder ein kleiner Kindertisch bieten die nötige Stabilität. So kann sich das Kind ganz auf die Klötze konzentrieren, ohne dass der Untergrund nachgibt.
Das Umwerfen zelebrieren: Wenn das Kind den Turm umstößt, ist das kein Zeichen von Zerstörungswut, sondern pure Neugier. Begleiten Sie dieses Erlebnis positiv. Ein fröhliches Geräusch macht das Spiel für das Kind noch spannender. Es lernt dabei, dass es selbst Dinge in seiner Umwelt bewirken kann.
Gemeinsam spielen, ohne einzugreifen: Setzen Sie sich dazu und bauen Sie vielleicht einen eigenen kleinen Turm. So kann das Kind durch Beobachtung lernen. Wenn das Kind baut, lassen Sie es selbst probieren. Auch wenn der Klotz schief sitzt, ist es für den Lernprozess wichtig, dass das Kind die Erfahrung selbst macht.
Alltagsgegenstände nutzen: Das Stapeln erfordert nicht immer klassische Bauklötze. Auch kleine Kunststoffdosen, kleine Kissen oder stabile Pappkartons eignen sich hervorragend zum Bauen. Diese Abwechslung hält die Beschäftigung interessant und fördert kreatives Denken.
Wann mit dem Kinderarzt sprechen
Die motorische Entwicklung verläuft sehr unterschiedlich. Wenn Eltern jedoch das Gefühl haben, dass ihr Kind im Alter von etwa zwei Jahren gar kein Interesse daran zeigt, Gegenstände zu greifen, zu halten oder zu manipulieren, kann ein Gespräch sinnvoll sein.
Auch wenn die Bewegungen dauerhaft sehr steif wirken oder das Kind ausschließlich eine Hand benutzt und die andere komplett vernachlässigt, ist der Kinderarzt oder die Kinderärztin eine gute Anlaufstelle. In der kinderärztlichen Praxis können solche Beobachtungen in aller Ruhe besprochen und eingeordnet werden. So erhalten Eltern Sicherheit und bei Bedarf die passende Begleitung für ihr Kind.
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