Mit Schwung und Ziel: Wenn Ihr Kind das Werfen entdeckt
Häufige Fragen
Das Werfen eines Balles über den Kopf ist ein faszinierender motorischer Meilenstein, der viel mehr erfordert als nur Armkraft. Ihr Kind lernt dabei, das Gleichgewicht zu halten, den Blick auf ein Ziel zu richten und den ganzen Körper in eine fließende Bewegung einzubringen. Aus einem ungerichteten Plumpsenlassen wird allmählich ein gezielter Wurf mit Schwung. Diese neue Fähigkeit eröffnet wunderbare Möglichkeiten für gemeinsame Spiele im Freien.
Was sich beim Kind zeigt
In dieser Entwicklungsphase beobachten Sie, wie Ihr Kind beginnt, Bewegungen besser zu koordinieren. Zunächst wird der Ball oft noch aus dem Stand und mit einer recht steifen Armbewegung geworfen. Mit der Zeit nimmt Ihr Kind den Arm weiter nach hinten und oben, um mehr Kraft aufzubauen. Die Hand-Auge-Koordination verfeinert sich dabei zusehends.
Bald kommt auch der restliche Körper zum Einsatz. Ihr Kind dreht den Oberkörper leicht zur Seite und macht beim Werfen einen Schritt nach vorne. Oft ist es anfangs der Fuß auf der gleichen Seite wie der Wurfarm, später kreuzt Ihr Kind die Bewegung und setzt den gegenüberliegenden Fuß nach vorn. Diese Gewichtsverlagerung gibt dem Ball den nötigen Schwung.
Gleichzeitig entwickelt Ihr Kind ein besseres Gefühl für räumliche Distanzen. Es probiert aus, wie viel Kraft nötig ist, um ein Ziel in der Nähe oder in der Ferne zu erreichen. Das Loslassen des Balles im genau richtigen Moment erfordert höchste Konzentration und wird durch ständiges Ausprobieren immer präziser.
Typischer Zeitrahmen
Die Entwicklung dieser komplexen Bewegung verläuft in vielen kleinen Schritten. Viele Kinder beginnen im Alter von etwa drei Jahren, Bälle gezielter über den Kopf zu werfen. Zunächst ist der Wurf noch kurz und der Krafteinsatz schwer zu dosieren.
Oft dauert es bis zum fünften oder sechsten Lebensjahr, bis die fließende Bewegung mit Gewichtsverlagerung und dem Schritt nach vorne sicher sitzt. Manche Kinder zeigen schon früh großes Interesse an Bällen, andere entdecken die Freude am Werfen erst später. Jedes Kind findet dabei sein eigenes Tempo und seine eigene Wurftechnik.
So begleiten Sie
Bieten Sie Ihrem Kind verschiedene, weiche Wurfgeschosse an. Zusammengerollte Socken, kleine Kissen oder weiche Schaumstoffbälle eignen sich hervorragend für erste Wurfversuche im Kinderzimmer. So kann Ihr Kind ganz entspannt und ohne Angst vor Schäden üben. Unterschiedliche Materialien fördern zudem den Tastsinn und das Greifen.
Stellen Sie spielerische Ziele auf. Ein großer Wäschekorb, ein leerer Karton oder ein aufgemaltes Ziel an der Außenwand laden dazu ein, die Treffsicherheit auszuprobieren. Feiern Sie dabei jeden Versuch, ganz unabhängig davon, ob der Ball im Korb landet oder weit daneben fliegt. Die Freude am Tun ist der beste Antrieb für die motorische Entwicklung.
Gehen Sie gemeinsam nach draußen und machen Sie das Werfen zu einem gemeinsamen Erlebnis. Wenn Sie sich den Ball gegenseitig zuwerfen, lernt Ihr Kind durch Beobachtung und Nachahmung. Es sieht, wie Sie stehen, wie Sie ausholen und wie Sie werfen. Der Spaß an der gemeinsamen Bewegung steht dabei immer im Vordergrund, nicht die perfekte Technik.
Lassen Sie Ihr Kind auch mit Bällen in verschiedenen Größen und Gewichten experimentieren. Ein leichter Wasserball fliegt völlig anders als ein kleiner Tennisball. Durch dieses Ausprobieren lernt der Körper, sich auf neue physikalische Gegebenheiten einzustellen.
Wann mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt sprechen
Kinder entwickeln sich in ihrem ganz eigenen Rhythmus, und die motorische Geschicklichkeit variiert von Kind zu Kind stark. Wenn Sie jedoch bemerken, dass Ihr Kind eine Körperhälfte stark vernachlässigt oder Bewegungen dauerhaft steif und unkoordiniert wirken, ist ein Gespräch in der Kinderarztpraxis sinnvoll.
Auch wenn Ihr Kind beim Werfen über Schmerzen klagt oder plötzliche Rückschritte in der Beweglichkeit zeigt, können Sie dies bei der nächsten Untersuchung ansprechen. Die Kinderärztin oder der Kinderarzt kann die motorische Entwicklung sanft und professionell einschätzen. So erhalten Sie Gewissheit und können Ihr Kind bestmöglich begleiten.
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