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Seitwärts auf Entdeckungstour: Das Gehen an Möbeln

Häufige Fragen

Wenn Ihr Kind beginnt, sich an Sofas, Tischen und Regalen hochzuziehen, eröffnet sich ihm eine völlig neue Perspektive auf die Welt. Bald darauf wagt es oft die ersten seitlichen Schritte und nutzt die Möbel als sicheres Geländer für seine Entdeckungstouren. Dieses seitwärts gerichtete Gehen ist ein faszinierender Meilenstein, der Kraft, Koordination und viel Mut erfordert.

Was sich beim Kind zeigt

Das Gehen an Möbeln ist ein komplexer motorischer Prozess, der viel Konzentration verlangt. Zunächst zieht sich Ihr Kind in den Stand hoch und klammert sich mit beiden Händen fest. Um sich fortzubewegen, muss es nun das Gewicht auf ein Bein verlagern, das andere Bein ein Stück zur Seite setzen und die Hände nachziehen. Diese ständige Gewichtsverlagerung stärkt die gesamte Bein-, Rumpf- und Beckenmuskulatur enorm.

Neben der körperlichen Kraft entwickelt Ihr Kind in dieser Phase ein feines Gespür für das eigene Gleichgewicht. Es lernt, wie sich der Körper im Raum verhält und wie es Stürze abfangen kann. Oft plumpst es anfangs noch häufig auf den Po, doch mit der Zeit wird das Abfedern immer eleganter. Das Kind begreift, wie es sich sicher aus dem Stand wieder auf den Boden herablassen kann.

Auch kognitiv passiert in dieser Zeit sehr viel. Ihr Kind plant nun kleine Routen durch das Wohnzimmer. Es schätzt Abstände ein, prüft die Stabilität von Gegenständen und entscheidet, ob der Weg vom Sofa zum Couchtisch sicher zu bewältigen ist. Dabei macht es wichtige Erfahrungen mit verschiedenen Oberflächen, wie dem weichen Polster oder der glatten Holzkante.

Typischer Zeitrahmen

Viele Kinder beginnen zwischen dem neunten und zwölften Lebensmonat damit, sich an Möbeln entlangzuhangeln. Manche Kinder entdecken diese Art der Fortbewegung etwas früher, andere widmen sich zunächst ausgiebig dem Krabbeln und wagen sich erst später in die Vertikale. Jeder Weg ist dabei völlig individuell. Das seitliche Gehen kann über viele Wochen oder sogar Monate hinweg die bevorzugte Methode bleiben, um den Raum im Stehen zu erkunden.

So begleiten Sie Ihr Kind

Eine sichere Umgebung schaffen

Da Ihr Kind nun höhere Ebenen erreicht, ist ein erneuter Blick auf die Sicherheit im Raum wichtig. Gehen Sie am besten selbst einmal auf Kniehöhe durch die Zimmer. Sichern Sie spitze Möbelkanten ab und stellen Sie sicher, dass Regale oder kleine Schränkchen fest an der Wand verankert sind, damit sie beim Hochziehen nicht kippen können.

Barfuß die Welt erkunden lassen

Am besten lernt Ihr Kind das Laufen barfuß. Die Fußsohlen sind mit unzähligen Nervenenden ausgestattet, die wichtige Informationen über die Bodenbeschaffenheit an das Gehirn senden. Dies hilft Ihrem Kind, das Gleichgewicht besser zu halten. Wenn es zu kalt ist, sind Socken mit rutschfesten Sohlen eine gute Alternative zu festen Schuhen.

Kleine Möbelinseln bauen

Sie können den Entdeckerdrang Ihres Kindes sanft unterstützen, indem Sie kleine Brücken im Raum schaffen. Stellen Sie beispielsweise einen stabilen Hocker in greifbare Nähe des Sofas. So ermutigen Sie Ihr Kind, kleine Lücken zu überwinden, eine Hand loszulassen und das Gewicht neu auszubalancieren.

Geduld und Trost spenden

Das Erlernen dieser neuen Fähigkeit ist anstrengend und bringt unweigerlich kleine Rückschläge mit sich. Wenn Ihr Kind das Gleichgewicht verliert und auf den Po fällt, reicht oft ein aufmunterndes Lächeln oder ein kurzes Trösten. Ihre ruhige Präsenz gibt Ihrem Kind die Sicherheit, es gleich noch einmal zu versuchen.

Wann ein Gespräch mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt sinnvoll ist

Jedes Kind hat sein eigenes Tempo bei der motorischen Entwicklung. Wenn Sie jedoch feststellen, dass Ihr Kind gegen Ende des ersten Lebensjahres gar kein Interesse daran zeigt, Gewicht auf seine Beine zu übernehmen, können Sie dies bei der nächsten Untersuchung ansprechen. Auch wenn Ihr Kind beim Stehen oder Gehen an Möbeln immer nur eine Körperseite belastet oder eine auffällige Asymmetrie zeigt, ist die Kinderärztin oder der Kinderarzt ein guter Ansprechpartner. Ein kurzer ärztlicher Blick kann oft schnell beruhigen und wertvolle Tipps für den Alltag geben.

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