Von Hand zu Hand: Wie Ihr Baby lernt, Dinge weiterzugeben
Häufige Fragen
Ein faszinierender Moment im ersten Lebensjahr ist es, wenn Ihr Kind beginnt, einen Gegenstand gezielt von der rechten in die linke Hand zu wechseln. Diese scheinbar kleine Bewegung ist ein gewaltiger motorischer Schritt, der zeigt, dass die beiden Gehirnhälften immer besser zusammenarbeiten. Eltern können in dieser Phase wunderbar beobachten, wie das Baby seine Welt buchstäblich begreift und immer mehr Kontrolle über die eigenen Hände gewinnt.
Was sich beim Kind zeigt
In dieser spannenden Phase der Entwicklung können Sie viele neue kleine Details im Spielverhalten Ihres Babys entdecken. Zunächst greift Ihr Kind vielleicht nach einem bunten Ring oder einem weichen Ball. Es hält den Gegenstand fest, betrachtet ihn ausgiebig und führt ihn oft zum Mund. Dann passiert das Neue: Die freie Hand nähert sich, greift ebenfalls nach dem Spielzeug, und die erste Hand lässt los.
Anfangs wirkt dieser Wechsel oft noch etwas ungelenk. Manchmal zieht das Baby den Gegenstand regelrecht aus der eigenen Hand. Es kommt auch häufig vor, dass das Spielzeug dabei herunterfällt. Das bewusste Loslassen ist nämlich eine ganz eigene motorische Herausforderung, die viel Übung erfordert.
Mit der Zeit wird diese Übergabe immer flüssiger. Ihr Kind lernt, den Gegenstand genau in der Körpermitte von einer Hand in die andere zu geben. Oft geschieht dies, weil das Baby etwas Neues entdeckt hat und die erste Hand frei machen möchte. Ein Bauklotz wandert in die linke Hand, damit die rechte Hand nach dem nächsten Klotz greifen kann.
Gleichzeitig werden Sie feststellen, dass das Baby Gegenstände nun viel genauer untersucht. Es dreht und wendet das Spielzeug, befühlt es von allen Seiten und wechselt dabei mehrfach die Hände. Diese beidhändige Erkundung ist ein Zeichen dafür, dass die Wahrnehmung feiner wird und das Kind räumliche Zusammenhänge besser versteht.
Typischer Zeitrahmen
Jedes Baby entwickelt sich in seinem ganz eigenen Rhythmus und setzt eigene Schwerpunkte. Viele Kinder beginnen in der Zeit zwischen dem sechsten und achten Lebensmonat mit diesem bewussten Handwechsel. In diesem Zeitraum wird die Rumpfmuskulatur stärker, was dem Kind mehr Stabilität gibt, um die Arme und Hände frei zu bewegen.
Manche Kinder zeigen diese Fähigkeit etwas früher, andere lassen sich mehr Zeit und widmen sich vielleicht erst intensiv dem Drehen oder Brabbeln. Es ist ein fließender Prozess, der sich über mehrere Wochen erstreckt. Zuerst klappt der Wechsel vielleicht nur zufällig, bis er nach und nach zu einer gezielten Handlung wird.
Oft fällt dieser motorische Schritt in eine Zeit, in der das Baby auch beginnt, festere Nahrungsmittel mit den Händen zu erkunden. Die Fähigkeit, ein Stück Brot oder Obst von einer Hand in die andere zu geben, ist dabei sehr nützlich. Geben Sie Ihrem Kind einfach die Zeit, die es braucht, um diese neuen Bewegungsabläufe in Ruhe zu festigen.
So begleiten Sie
Sie können diese spannende Phase im Alltag ganz natürlich und spielerisch unterstützen, ohne ein gezieltes Training daraus zu machen. Die Freude am gemeinsamen Entdecken steht dabei immer im Vordergrund.
Passendes Spielzeug anbieten
Leichte und gut greifbare Gegenstände laden besonders zum Ausprobieren ein. Kleine Bälle, Holzringe, weiche Tücher oder Rasseln mit einem schmalen Griff sind ideal. Achten Sie darauf, dass die Dinge nicht zu schwer sind, damit der Wechsel von einer Hand in die andere leichter gelingt.
Gegenstände in die Mitte reichen
Wenn Sie Ihrem Baby ein Spielzeug anbieten, halten Sie es ruhig einmal genau in die Körpermitte. So ermutigen Sie Ihr Kind, beide Hände zusammenzuführen. Manchmal reicht es auch, das Spielzeug leicht versetzt anzubieten, sodass das Baby über die Körpermitte greifen muss.
Zeit zum Ausprobieren geben
Wenn das Spielzeug beim Handwechsel herunterfällt, geben Sie Ihrem Kind einen Moment Zeit, bevor Sie es sofort wieder aufheben. Oft versucht das Baby, selbst danach zu greifen, oder es lernt, die Augenbewegung dem fallenden Gegenstand folgen zu lassen. Diese kleinen Missgeschicke sind ein wichtiger Teil des Lernprozesses.
Den Mund als Werkzeug akzeptieren
In diesem Alter ist der Mund ein wichtiges Tastorgan. Das Baby wird den Gegenstand fast immer in den Mund stecken, während es ihn von einer Hand in die andere wechselt. Das ist ein wunderbarer und wichtiger Teil der sensorischen Entwicklung. Sorgen Sie einfach dafür, dass die Gegenstände sicher und sauber sind.
Beidhändige Aktivitäten fördern
Spielen Sie gemeinsam Spiele, bei denen beide Hände zum Einsatz kommen. Klatschen Sie sanft die Hände Ihres Babys zusammen oder singen Sie Lieder mit Handbewegungen. Auch das Zerreißen von Papier oder das Planschen mit beiden Händen im Badewasser fördert die Koordination der Körperhälften auf freudige Weise.
Wann mit dem Kinderarzt sprechen
Die motorische Entwicklung verläuft oft in Sprüngen, und kurze Pausen, in denen scheinbar nichts Neues passiert, sind ganz alltäglich. Wenn Sie jedoch bemerken, dass Ihr Kind über einen längeren Zeitraum hinweg fast ausschließlich eine Hand benutzt und die andere Hand kaum bewegt oder beim Spielen vernachlässigt, ist ein kurzes Gespräch sinnvoll.
Auch wenn die Hände Ihres Babys oft stark zu Fäusten geballt bleiben und das Greifen generell schwerfällt, können Sie dies bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung ansprechen. Die Kinderärztin oder der Kinderarzt wird sich die Bewegungen Ihres Kindes in Ruhe ansehen. Oft lassen sich kleine Unsicherheiten schnell klären, und Sie erhalten wertvolle Tipps, wie Sie Ihr Kind im Alltag entspannt und liebevoll begleiten können.
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