Was macht man damit? Wenn Babys den Zweck von Dingen erkennen
Häufige Fragen
Gegen Ende des ersten Lebensjahres erleben Eltern oft einen faszinierenden Moment. Ihr Kind greift nach einem Kamm und führt ihn zielsicher zum Kopf, oder es hält sich einen Bauklotz wie ein Telefon ans Ohr. Dieser Entwicklungsschritt zeigt ein völlig neues Verständnis für die Welt der Alltagsgegenstände. Ihr Baby beginnt zu begreifen, dass Dinge nicht nur zum Kauen oder Werfen da sind, sondern einen ganz bestimmten Zweck erfüllen.
Die Reise vom Erkunden zum Verstehen
In den ersten Lebensmonaten erkundet Ihr Kind die Welt vor allem über den Mund und die Hände. Alles, was in Reichweite gerät, wird abgetastet, in den Mund gesteckt oder auf den Boden geworfen. Diese Phase ist enorm wichtig, um die Beschaffenheit von Materialien kennenzulernen. Ein Löffel ist in dieser Zeit einfach ein kühles, hartes Objekt, das beim Herunterfallen ein spannendes Geräusch macht.
Mit der Zeit verändert sich dieser Blickwinkel. Das kindliche Gehirn verknüpft zunehmend Beobachtungen aus dem Alltag mit eigenen Handlungen. Ihr Kind sieht jeden Tag, wie Sie aus einer Tasse trinken, mit einem Tuch den Tisch abwischen oder sich die Haare bürsten. Diese ständige Wiederholung legt den Grundstein für das Erkennen von Funktionen. Aus dem reinen Erkunden wird ein zielgerichtetes Ausprobieren.
Was sich beim Kind zeigt
Wenn das Verständnis für die Funktion von Dingen erwacht, können Sie wunderbare kleine Szenen im Alltag beobachten. Ihr Kind schnappt sich vielleicht einen Löffel und führt ihn in Richtung des eigenen Mundes, auch wenn gar kein Brei darauf ist. Es versucht, mit einem trockenen Schwamm über den Boden zu wischen, oder es drückt Tasten auf einer Fernbedienung, während es gespannt zum Fernseher schaut.
Ein weiteres deutliches Zeichen für diesen Meilenstein ist die beginnende Nachahmung bei Spielzeugen, die Alltagsgegenständen nachempfunden sind. Ein Spielzeugtelefon wird ans Ohr gehalten, aus einer leeren Spielzeugtasse wird geräuschvoll getrunken. Dabei zeigt Ihr Kind oft große Konzentration und Freude an der eigenen Fähigkeit, die Welt der Erwachsenen zu spiegeln.
Manchmal werden Gegenstände auch zweckentfremdet, aber dennoch in einer logischen Funktion genutzt. Ein Bauklotz wird zum Auto, das über den Teppich geschoben wird, oder ein kleiner Teller wird als Hut auf den Kopf gesetzt. Diese kreativen Handlungen zeigen, dass Ihr Kind das Konzept von Zweck und Funktion verstanden hat und nun spielerisch damit experimentiert.
Das Zusammenspiel von Denken und Handeln
Das Erkennen von Funktionen ist eng mit der motorischen Entwicklung Ihres Kindes verknüpft. Um eine Tasse gezielt zum Mund zu führen, braucht es nicht nur das Wissen um die Funktion, sondern auch die körperliche Geschicklichkeit. Auge und Hand müssen zusammenarbeiten, die Finger müssen den Gegenstand richtig greifen und der Arm muss die Bewegung koordinieren.
Oft beobachten Eltern, dass ihr Kind genau weiß, was es mit einem Gegenstand tun möchte, die Umsetzung aber noch etwas ungeschickt aussieht. Ein Löffel wird vielleicht noch verkehrt herum gehalten, oder das Spielzeugtelefon landet eher am Hinterkopf als am Ohr. Das kindliche Gehirn hat den Zweck bereits verstanden, aber der Körper übt noch an der feinen Ausführung. Diese Übungsphase ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie Denken und Handeln bei Babys Schritt für Schritt zusammenwachsen.
Ein typischer Zeitrahmen
Die Entwicklung dieses kognitiven Verständnisses verläuft bei jedem Kind ganz individuell. Viele Kinder beginnen in der Zeit zwischen dem neunten und zwölften Lebensmonat damit, Gegenstände ihrer Funktion nach zu nutzen. Die Vorbereitungen dafür, wie das aufmerksame Beobachten Ihrer Handlungen, starten jedoch schon viel früher.
Manche Kinder zeigen dieses Verhalten schon etwas früher, während andere sich mehr Zeit lassen und vielleicht erst nach dem ersten Geburtstag damit beginnen, Dinge zweckmäßig einzusetzen. Beide Wege sind völlig natürliche Ausprägungen der kindlichen Entwicklung. Das Tempo wird dabei oft von den individuellen Interessen des Kindes bestimmt.
So begleiten Sie diesen Meilenstein
Sie können Ihr Kind in dieser spannenden Phase wunderbar durch kleine, alltägliche Gesten unterstützen. Es braucht dafür keine speziellen Lernprogramme, sondern lediglich eine anregende Umgebung und Ihre liebevolle Begleitung.
Alltagshandlungen sprachlich begleiten
Erzählen Sie Ihrem Kind, was Sie gerade tun. Wenn Sie sich die Haare kämmen, können Sie sagen, dass die Bürste die Haare schön weich macht. Wenn Sie kochen, erklären Sie, dass der Kochlöffel zum Umrühren da ist. Diese sprachliche Verknüpfung hilft dem kindlichen Gehirn, die Handlung und den Gegenstand miteinander zu verbinden.
Sichere Alltagsgegenstände anbieten
Kinder lieben es, mit echten Dingen zu spielen. Bieten Sie Ihrem Kind einen eigenen, sauberen Kochlöffel, einen kleinen Plastikbecher oder eine weiche Haarbürste an. Eine Kiste mit sicheren, sauberen Haushaltsgegenständen ist in diesem Alter oft viel interessanter als eine Kiste voller herkömmlichem Spielzeug.
Kleine Versuche feiern
Wenn Ihr Kind versucht, sich selbst die Haare zu bürsten, und dabei eher die Nase trifft, loben Sie die Absicht. Bestärken Sie Ihr Kind in seinem Tun, lächeln Sie und zeigen Sie Freude über diese neuen Fähigkeiten. Diese positive Bestärkung motiviert Ihr Kind, weiter auszuprobieren und zu lernen.
Gemeinsames Spiel fördern
Spielen Sie gemeinsam kleine Alltagsszenen nach. Reichen Sie Ihrem Kind eine leere Tasse und tun Sie so, als würden Sie gemeinsam einen großen Schluck Wasser trinken. Pusten Sie über einen Löffel und tun Sie so, als wäre das Essen heiß. Solche Spiele stärken nicht nur das kognitive Verständnis, sondern auch die Bindung zwischen Ihnen und Ihrem Kind.
Beobachtungsmomente zulassen
Lassen Sie Ihr Kind zuschauen, wenn Sie alltägliche Dinge erledigen. Setzen Sie es sicher in die Nähe, wenn Sie Wäsche zusammenlegen, kochen oder aufräumen. Kinder lernen in diesem Alter unheimlich viel durch reines Beobachten. Jeder Handgriff, den Sie machen, ist für Ihr Kind wie ein kleines Lernvideo über die Funktion der Welt.
Wann ein Gespräch mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt sinnvoll ist
Die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten verläuft in Schüben und in einem ganz eigenen Rhythmus. Wenn Sie jedoch das Gefühl haben, dass Ihr Kind gegen Ende des ersten Lebensjahres gar kein Interesse an Alltagsgegenständen zeigt, diese ausschließlich in den Mund nimmt oder Handlungen überhaupt nicht nachahmt, können Sie dies bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung ansprechen. Die Kinderärztin oder der Kinderarzt kann die Entwicklung Ihres Kindes im Gesamtbild betrachten und Ihnen bei Bedarf wertvolle Impulse für den Alltag mitgeben.
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