Weißt du noch? Wenn Ihr Kind beginnt, sich an Vergangenes zu erinnern
Häufige Fragen
Plötzlich zeigt Ihr Kind auf den Baum, auf dem gestern eine Katze saß. Das Gedächtnis entwickelt sich in diesem Alter rasant und ermöglicht es, Erlebnisse abzuspeichern und später gezielt wieder abzurufen. Diese neu gewonnene Fähigkeit, sich an vergangene Ereignisse zu erinnern, ist ein faszinierender kognitiver Meilenstein. Ihr Kind beginnt nun, die Welt nicht mehr nur im aktuellen Moment zu erleben, sondern eine innere Brücke zwischen Gestern, Heute und Morgen zu bauen.
Was sich beim Kind zeigt
In dieser Entwicklungsphase werden Sie viele kleine Momente bemerken, in denen das wachsende Gedächtnis Ihres Kindes aufblitzt. Oft erkennen Kinder vertraute Orte wieder, lange bevor sie dort ankommen. Auf dem Weg zum Lieblingsspielplatz beginnt Ihr Kind vielleicht schon an der Straßenecke vor Freude zu hüpfen oder aufgeregt zu zeigen. Es weiß genau, was als Nächstes kommt.
Ein weiteres faszinierendes Zeichen ist die Suche nach Dingen, die nicht mehr da sind. Ihr Kind schaut gezielt unter das Sofa, weil dort vor drei Tagen ein Ball hingerollt ist. Dieses Verhalten zeigt, dass es ein inneres Bild von Objekten und deren Verbleib entwickelt hat. Es versteht nun, dass Dinge weiterhin existieren, auch wenn sie gerade nicht sichtbar sind.
Zudem beobachten Eltern oft die sogenannte verzögerte Nachahmung. Ihr Kind beobachtet eine Handlung, zum Beispiel wie jemand mit einem Tuch den Tisch abwischt, und ahmt dies erst Tage später im eigenen Spiel nach. Es hat die Handlung gespeichert und ruft sie im passenden Moment wieder ab. Wenn der Wortschatz wächst, kommen erste sprachliche Hinweise hinzu. Ihr Kind nutzt einzelne Wörter oder lebhafte Gesten, um von einem Erlebnis am Vormittag zu berichten.
Typischer Zeitrahmen
Die Entwicklung des Erinnerungsvermögens ist ein fließender Prozess, der oft im zweiten Lebensjahr deutlich sichtbar wird. Zwischen 13 und 24 Monaten zeigen viele Kinder ihre Erinnerungen vor allem durch Handlungen, Gesten und freudige Erwartung. Sie wissen, wo die Kekse stehen, und erinnern sich an den Ablauf vertrauter Rituale.
Im Laufe des dritten Lebensjahres wächst die Fähigkeit, Erlebnisse bewusster abzuspeichern. Gegen Ende dieser Phase beginnen viele Kinder, auch Worte zu nutzen, um von Vergangenem zu erzählen. Jedes Kind hat dabei ein ganz eigenes Tempo. Manche Kinder konzentrieren sich stark auf motorische Fähigkeiten, während andere die Welt der Erinnerungen und Worte früher für sich entdecken.
So begleiten Sie
Sie können das wachsende Gedächtnis Ihres Kindes wunderbar im ganz normalen Alltag begleiten, ohne dass es sich nach Übung anfühlt. Es geht vor allem darum, gemeinsame Momente der Erinnerung zu schaffen.
Sprechen Sie abends über den Tag. Ein kleines Ritual vor dem Schlafengehen, bei dem Sie die schönsten Momente des Tages noch einmal ruhig aufzählen, hilft Ihrem Kind beim Sortieren der Erlebnisse. Sie können sagen: "Heute Morgen haben wir den großen Bagger gesehen, und danach gab es Äpfel." Solche einfachen Sätze geben den Erinnerungen einen Rahmen.
Schauen Sie gemeinsam Fotos an. Bilder von vertrauten Personen, Haustieren oder Ausflügen sind großartige Anker für das kindliche Gedächtnis. Blättern Sie durch ein Fotoalbum oder schauen Sie Bilder auf dem Telefon an und benennen Sie, was Sie sehen. Ihr Kind wird mit der Zeit immer mehr Freude daran haben, die abgebildeten Situationen wiederzuerkennen.
Bestätigen Sie die Erinnerungen Ihres Kindes. Wenn Ihr Kind auf den leeren Baum zeigt und "Miau" sagt, greifen Sie das auf. Antworten Sie liebevoll: "Ja, genau, gestern saß da eine kleine Katze im Baum." Diese Bestätigung zeigt Ihrem Kind, dass seine innere Welt richtig ist und verstanden wird.
Wann mit dem Kinderarzt sprechen
Die kognitive Entwicklung verläuft oft in Schüben und sieht bei jedem Kind etwas anders aus. Es gibt Phasen, in denen Kinder scheinbar Neues lernen, und andere, in denen sie das Gelernte festigen. Wenn Sie jedoch beobachten, dass Ihr Kind vertraute Bezugspersonen über einen längeren Zeitraum nicht wiedererkennt, ist Aufmerksamkeit ratsam.
Auch wenn Ihr Kind Fähigkeiten, die es bereits sicher beherrschte, plötzlich dauerhaft verliert, ist ein Gespräch sinnvoll. In solchen Momenten können Sie Ihre Beobachtungen ganz in Ruhe mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin teilen. Sie helfen Ihnen dabei, die Entwicklung Ihres Kindes richtig einzuordnen und offene Fragen zu klären.
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