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Wenn Ihr Kleinkind Dinge bringt, um Freude zu teilen

Häufige Fragen

Ein glänzender Stein, ein buntes Blatt oder einfach ein fusseliges Stück Stoff aus der Sofaritze: Wenn Ihr Kind Ihnen begeistert einen Gegenstand bringt, geht es meist nicht um das Objekt selbst. Es ist eine wunderbare Einladung, einen Moment des Staunens miteinander zu teilen. Diese sogenannte geteilte Aufmerksamkeit ist ein großer Meilenstein in der sozialen und emotionalen Entwicklung, der Ihre Bindung auf eine ganz neue Ebene hebt.

Was sich beim Kind zeigt

Ihr Kleinkind entdeckt die Welt nicht mehr nur für sich allein. Es erkennt, dass Sie eine eigene Wahrnehmung haben, und möchte diese mit seiner eigenen verbinden. Das zeigt sich in vielen kleinen, aber bedeutsamen Momenten. Ihr Kind findet etwas Spannendes auf dem Boden, hebt es auf und streckt es Ihnen entgegen. Dabei wandert der Blick Ihres Kindes oft ganz bewusst hin und her. Es schaut zuerst auf den Gegenstand in seiner Hand, dann in Ihr Gesicht, und wieder zurück zum Gegenstand. Dieser dreieckige Blickkontakt ist das Herzstück der geteilten Aufmerksamkeit.

Es wartet auf Ihre Reaktion. Ein Lächeln, ein erstauntes Gesicht oder ein freudiger Ausruf sind genau das, wonach das Kind sucht. Es bittet in diesem Moment nicht um Hilfe. Es möchte nicht, dass Sie eine Dose öffnen oder ein Spielzeug reparieren. Die einzige Absicht ist das gemeinsame Erleben. Wenn das Objekt zu groß oder zu weit weg ist, nutzt Ihr Kind vielleicht den Zeigefinger, um Sie auf einen vorbeifliegenden Vogel oder ein lautes Auto aufmerksam zu machen. Auch hier steht im Vordergrund, dass Sie beide dasselbe sehen und fühlen.

Ein wichtiger Aspekt in dieser Phase ist der Unterschied zwischen einem Bedürfnis und dem reinen Wunsch nach Verbindung. Bisher hat Ihr Kind Ihnen vielleicht Dinge gebracht, weil es Hilfe brauchte. Es brachte den Becher, weil es Durst hatte, oder die Kiste, weil sie verschlossen war. Nun passiert etwas völlig Neues. Ihr Kind bringt Ihnen einen Gegenstand, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Diese Entwicklung markiert einen enormen kognitiven Sprung. Ihr Kind begreift, dass Sie eine eigenständige Person mit eigenen Gedanken sind, und baut eine Brücke zwischen seiner Gedankenwelt und Ihrer.

Zusätzlich zur reinen Freude am Teilen entwickelt Ihr Kind durch diese Interaktionen ein erstes Gespür für Empathie. Es beobachtet genau, wie Sie auf verschiedene Dinge reagieren. Es bemerkt, ob Sie sich vor einem Käfer erschrecken oder sich über eine bunte Murmel freuen. Diese geteilten Erlebnisse sind das Fundament für spätere Freundschaften und soziale Beziehungen. Ihr Kind übt im geschützten Rahmen der Familie, wie man Kontakt aufnimmt und wie schön es ist, wenn man sich verstanden fühlt.

Typischer Zeitrahmen

Die Entwicklung dieser wunderbaren Fähigkeit verläuft bei jedem Kind im eigenen Tempo. Oft beginnen die ersten Anzeichen der geteilten Aufmerksamkeit in der Zeit zwischen 13 und 36 Monaten. Zu Beginn dieser Phase zeigen viele Kinder Gegenstände, die sie ohnehin gerade in der Hand halten. Sie strecken Ihnen vielleicht den Löffel beim Essen entgegen oder halten Ihnen im Vorbeigehen ein Kuscheltier hin.

Mit der Zeit wird dieses Verhalten aktiver und zielgerichteter. Viele Kinder beginnen dann, spannende Dinge ganz bewusst aufzuheben und quer durch den Raum zu Ihnen zu tragen. Die Vorfreude auf Ihre Reaktion beginnt in diesem Alter schon auf dem Weg zu Ihnen. Im fortgeschrittenen Kleinkindalter wird diese Form der Kommunikation immer komplexer. Ihr Kind bringt Ihnen nicht nur physische Dinge, sondern teilt auch Beobachtungen und Erlebnisse mit Ihnen.

Es ruft Sie vielleicht ans Fenster, um gemeinsam den Regen zu beobachten, oder bringt Ihnen ein Buch, nicht zwingend zum Vorlesen, sondern um gemeinsam auf die Bilder zu deuten. Manche Kinder zeigen dieses Verhalten sehr intensiv und oft, andere teilen ihre Freude eher in ruhigen, ausgewählten Momenten. Aus dem stummen Zeigen wird über die Monate hinweg eine lebhafte, liebevolle Kommunikation.

So begleiten Sie im Alltag

Sie können diese wertvollen Momente wunderbar aufgreifen und die soziale Bindung zu Ihrem Kind stärken.

Aufmerksamkeit schenken: Wenn Ihr Kind Ihnen etwas bringt, reicht oft schon eine kurze, aber ehrliche Reaktion. Wenden Sie sich ihm zu, schauen Sie sich den Gegenstand an und spiegeln Sie die Begeisterung. Ein einfaches und freudiges Wort signalisiert Ihrem Kind, dass seine Entdeckung wertvoll ist.

Den Blickkontakt erwidern: Achten Sie auf das Wechselspiel der Blicke. Schauen Sie auf den Gegenstand, dann in die Augen Ihres Kindes, und lächeln Sie. Dieses nonverbale Gespräch bestätigt Ihrem Kind, dass Sie beide im selben Moment verbunden sind.

Gefühle in Worte fassen: Begleiten Sie die Situation sprachlich. Sagen Sie Dinge wie, dass der Stein wirklich lustig aussieht oder das Blatt sehr weich ist. Damit helfen Sie Ihrem Kind, seine eigenen Emotionen zu benennen und zu verstehen, dass Sie diese Gefühle erkennen.

Gemeinsame Entdeckungsreisen: Schaffen Sie Gelegenheiten für geteilte Freude. Ein Spaziergang in der Natur ohne Zeitdruck bietet unzählige Möglichkeiten, gemeinsam kleine Schätze zu finden. Bleiben Sie stehen, wenn Ihr Kind etwas entdeckt, und nehmen Sie sich die Zeit, das Fundstück gemeinsam zu bewundern.

Selbst Dinge zeigen: Drehen Sie den Spieß auch einmal um. Zeigen Sie Ihrem Kind aktiv Dinge, die Sie selbst spannend oder schön finden. Deuten Sie auf einen Regenbogen oder bringen Sie Ihrem Kind eine hübsche Blume mit. So erlebt es, dass das Teilen von Freude eine beidseitige Erfahrung ist.

Wann mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt sprechen

Die soziale Entwicklung verläuft sehr individuell und in Schüben. Wenn Sie jedoch beobachten, dass Ihr Kleinkind selten oder nie versucht, Ihre Aufmerksamkeit auf Dinge zu lenken, keinen Blickkontakt sucht, um Freude zu teilen, oder überhaupt nicht auf Ihr Zeigen reagiert, können Sie dies bei Gelegenheit ansprechen. Die Kinderärztin oder der Kinderarzt kann die weitere Entwicklung liebevoll begleiten und Ihnen bei Bedarf sanfte Wege aufzeigen, wie Sie die Interaktion im Alltag spielerisch unterstützen können.

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