Wenn Kinder den Alltag nachahmen
Häufige Fragen
Plötzlich wischt Ihr Kind mit einem Tuch über den Tisch oder hält sich einen Bauklotz ans Ohr, um eifrig zu telefonieren. Das Nachahmen alltäglicher Handlungen ist ein faszinierender Entwicklungsschritt, der deutlich macht, wie aufmerksam Ihr Kind seine Umgebung beobachtet. Durch dieses soziale Lernen begreift es die Welt und fühlt sich als ein wichtiger, aktiver Teil Ihrer Gemeinschaft.
Was sich beim Kind zeigt
In dieser Phase werden Sie bemerken, dass Ihr Kind Sie ganz genau studiert. Es beobachtet Ihre Handgriffe beim Kochen, beim Aufräumen oder bei der Gartenarbeit mit großer Faszination. Kurz darauf versucht es, genau diese Bewegungen in sein eigenes Spiel zu integrieren. Ein Löffel wird zum Werkzeug, um in einer leeren Schüssel zu rühren, oder ein Tuch dient dazu, die Spielzeugkiste abzuwischen.
Das Nachahmen ist dabei viel mehr als nur ein einfaches Kopieren von Bewegungen. Ihr Kind versucht, die Absicht hinter Ihren Handlungen zu verstehen. Es lernt, wie Dinge im Alltag funktionieren und welche Rolle die Menschen in seiner Umgebung dabei spielen. Dieses Verhalten zeigt ein wachsendes Verständnis für soziale Zusammenhänge und für das Miteinander in der Familie.
Oft suchen Kinder während dieser Handlungen den Blickkontakt zu ihren Bezugspersonen. Sie möchten sich vergewissern, dass sie gesehen werden. Ein zustimmendes Lächeln von Ihnen gibt dem Kind das sichere Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein. Es erfüllt Ihr Kind mit großem Stolz, genau die gleichen wichtigen Aufgaben zu erledigen wie die Großen.
Mit der Zeit wird das Spiel immer fantasievoller. Ein einfacher Gegenstand kann plötzlich viele verschiedene Bedeutungen annehmen. Ein Holzstab wird zum Kamm, zur Zahnbürste oder zum Löffel. Diese Fähigkeit zur Symbolik ist ein enormer kognitiver Sprung, der die Grundlage für das spätere Rollenspiel bildet. Ihr Kind verarbeitet durch dieses Spiel auch Erlebnisse und Eindrücke des Tages.
Zudem fördert das Nachahmen die motorischen Fähigkeiten. Wenn Ihr Kind versucht, einen Deckel auf einen Topf zu legen oder mit einem kleinen Besen zu fegen, trainiert es seine Hand-Auge-Koordination. Es übt feine und grobe Bewegungen, ganz ohne Druck, angetrieben von der reinen Freude am Tun.
Ein typischer Zeitrahmen
Viele Kinder beginnen oft zwischen dem 13. und 36. Lebensmonat damit, Handlungen der Erwachsenen intensiv nachzuahmen. Manche Kinder zeigen schon früh ein großes Interesse an Haushaltsgeräten, andere entdecken diese Leidenschaft etwas später für sich. Jeder kleine Mensch wählt dabei sein eigenes Tempo.
Zu Beginn, oft im zweiten Lebensjahr, ist das Nachahmen meist sehr direkt und an den Moment gebunden. Ihr Kind sieht, wie Sie den Tisch abwischen, und möchte sofort mitmachen. Die Handlungen sind meist kurz und einfach strukturiert.
Im Laufe des dritten Lebensjahres wird das Spiel oft komplexer. Ihr Kind beginnt, Handlungsabläufe aus dem Gedächtnis abzurufen. Es kocht vielleicht ein imaginäres Essen, deckt den Tisch für seine Kuscheltiere und füttert sie anschließend. Diese aneinandergereihten Sequenzen zeigen, wie sehr sich das Erinnerungsvermögen und die Vorstellungskraft weiterentwickelt haben.
So begleiten Sie
Echte Aufgaben teilen: Kinder lieben es, sich nützlich zu fühlen. Geben Sie Ihrem Kind einen eigenen, kleinen Lappen, wenn Sie putzen. Lassen Sie es beim Einräumen von unzerbrechlichen Dingen helfen. Diese kleinen Aufgaben stärken das Selbstvertrauen ungemein.
Die Umgebung sicher gestalten: Da Ihr Kind nun viele Dinge ausprobieren möchte, ist eine sichere Umgebung wichtig. Räumen Sie gefährliche Werkzeuge oder Reinigungsmittel außer Reichweite. Bieten Sie stattdessen unbedenkliche Alltagsgegenstände wie Holzlöffel, Plastikschüsseln oder saubere Schwämme zum Spielen an.
Beobachten und wertschätzen: Nehmen Sie sich Momente, in denen Sie Ihrem Kind einfach nur zuschauen. Kommentieren Sie sanft, was es tut. Ein Satz wie "Du rührst die Suppe aber kräftig um" zeigt Ihrem Kind, dass Sie sein Spiel ernst nehmen und wertschätzen.
Zeit und Raum geben: Das Nachahmen erfordert Konzentration. Vermeiden Sie es, das Spiel Ihres Kindes unnötig zu unterbrechen. Geben Sie ihm die Zeit, seine Handlungsabläufe in Ruhe zu Ende zu bringen. Auch wenn das Fegen mit dem kleinen Besen etwas länger dauert, ist die Erfahrung für Ihr Kind unglaublich wertvoll.
Mitspielen, wenn es eingeladen wird: Wenn Ihr Kind Ihnen einen imaginären Kaffee anbietet, trinken Sie ihn genüsslich. Durch Ihr Mitspielen bestätigen Sie die Fantasiewelt Ihres Kindes und stärken die emotionale Bindung zwischen Ihnen beiden.
Wann ein Gespräch mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt sinnvoll ist
Jedes Kind ist einzigartig in seiner Art, die Welt zu entdecken. Manche Kinder sind begeisterte Nachahmer, andere beobachten das Geschehen lieber still aus der Ferne. Wenn Sie jedoch bemerken, dass Ihr Kind über einen längeren Zeitraum hinweg gar kein Interesse an seiner Umgebung zeigt, keinen Blickkontakt sucht oder überhaupt keine Handlungen nachahmt, kann ein Gespräch mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt beruhigend sein. Gemeinsam können Sie liebevoll schauen, wie Ihr Kind in seiner sozialen Entwicklung am besten unterstützt werden kann.
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