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Wofür ist das? Ihr Kind nutzt Dinge in ihrer echten Funktion

Häufige Fragen

Es ist ein faszinierender Moment, wenn Ihr Kind plötzlich den Kamm an die eigenen Haare führt oder das Spielzeugtelefon ans Ohr hält. In dieser Phase beginnt Ihr Kind, Gegenstände nicht mehr nur zu greifen oder in den Mund zu stecken, sondern ihre echte Funktion zu verstehen. Dieser kognitive Meilenstein zeigt, wie genau Ihr Kind seine Umwelt beobachtet und Zusammenhänge im Gehirn verknüpft.

Was sich beim Kind zeigt

Bisher war ein Löffel vielleicht vor allem ein tolles Instrument, um laut auf den Tisch zu trommeln. Nun bemerken Sie, dass Ihr Kind versucht, damit Essen aufzunehmen und zum Mund zu führen. Diese Veränderung im Spielverhalten ist ein riesiger kognitiver Sprung. Ihr Kind begreift, dass Dinge in unserer Welt einen bestimmten kulturellen oder praktischen Zweck erfüllen.

Oft fängt diese Entwicklung mit Handlungen an, die den eigenen Körper betreffen. Ihr Kind nimmt eine Haarbürste und streicht sich damit über den Kopf. Es greift nach einem Becher und tut so, als würde es daraus trinken, selbst wenn dieser leer ist. Kurze Zeit später weitet sich dieses Verständnis auf die Umgebung aus. Ein Tuch wird genutzt, um über den Tisch zu wischen, oder ein Schlüssel wird zielstrebig in Richtung eines Schlüssellochs geführt.

Im weiteren Verlauf dieser Phase beobachten Sie vielleicht, wie Ihr Kind diese Handlungen auf andere überträgt. Der Teddybär bekommt plötzlich die Haare gebürstet, oder die Puppe wird mit dem leeren Löffel gefüttert. Dies ist der wunderbare Beginn des symbolischen Spiels. Ihr Kind nutzt sein Gedächtnis, um gesehene Handlungen abzuspeichern, abzurufen und in einem neuen Kontext selbst anzuwenden.

Erweitern wir den Blick auf die Feinmotorik: Um einen Schlüssel ins Schloss zu stecken oder den Löffel richtig herum zum Mund zu führen, müssen Hand und Auge perfekt zusammenarbeiten. Ihr Kind vollbringt also eine doppelte Leistung. Es weiß nicht nur, wofür der Gegenstand da ist, sondern plant auch die motorischen Schritte, um ihn korrekt zu verwenden. Diese Handlungsplanung ist ein komplexer Vorgang im Gehirn, der viel Konzentration erfordert.

Typischer Zeitrahmen

Viele Kinder zeigen erste Ansätze dieses funktionalen Verständnisses oft zwischen 13 und 18 Monaten. In dieser Zeit wird das reine Erkunden von Materialien langsam durch zielgerichtetes Handeln abgelöst. Manche Kinder entdecken diese Zusammenhänge etwas früher, andere nehmen sich dafür mehr Zeit.

In den Monaten zwischen dem ersten und zweiten Geburtstag wächst der Wortschatz vieler Kinder parallel zu diesem kognitiven Verständnis. Das Begreifen der Funktion eines Gegenstandes und das Erlernen des passenden Wortes gehen oft Hand in Hand. Wenn Ihr Kind weiß, was ein Telefon ist und wie man es nutzt, wird das Wort dafür greifbarer und bedeutungsvoller.

Bis zum dritten Lebensjahr verfeinern Kinder diese Fähigkeiten stetig. Aus einzelnen Handlungen werden oft ganze Spielsequenzen. Ihr Kind rührt dann vielleicht erst mit einem Löffel in einem Topf, pustet das imaginäre Essen kalt und füttert anschließend sein Kuscheltier. Die Entwicklung verläuft dabei fließend und in ganz individuellen Schritten.

So begleiten Sie

Ihr Kind lernt in dieser Phase am meisten durch Beobachtung und Nachahmung. Sie können diesen spannenden Prozess wunderbar im ganz normalen Familienalltag unterstützen, ohne spezielle Übungen oder Materialien zu benötigen.

Echte Gegenstände anbieten: Kinder spüren oft genau den Unterschied zwischen einem leichten Plastikspielzeug und dem echten Gegenstand. Bieten Sie Ihrem Kind sichere Alltagsdinge an, wie einen kleinen Schneebesen, einen weichen Lappen oder eine unbenutzte Haarbürste. Diese echten Werkzeuge sind für Ihr Kind hochinteressant und laden zum Ausprobieren ein.

Handlungen sprachlich begleiten: Wenn Ihr Kind einen Gegenstand nutzt, benennen Sie die Handlung ganz natürlich. Ein Satz wie "Ah, du kämmst dir die Haare" oder "Du telefonierst gerade" hilft Ihrem Kind, die Handlung mit der Sprache zu verknüpfen. Das stärkt nicht nur das kognitive Verständnis, sondern fördert gleichzeitig den Wortschatz.

Im Haushalt mitmachen lassen: Ihr Kind möchte jetzt ein aktiver Teil der Gemeinschaft sein und genau das tun, was Sie auch tun. Geben Sie Ihrem Kind einen eigenen kleinen Lappen, wenn Sie den Tisch abwischen, oder einen kleinen Besen beim Kehren. Diese gemeinsame Aktivität gibt Ihrem Kind das schöne Gefühl, gebraucht zu werden und kompetent zu sein.

Freiraum für eigene Ideen lassen: Manchmal nutzt Ihr Kind einen Gegenstand vielleicht ganz anders, als er gedacht ist. Ein Topf wird zum Helm, ein Löffel zum Flugzeug. Auch das ist ein wichtiger Teil der kognitiven Entwicklung. Lassen Sie Ihrem Kind den Raum für diese kreativen Zweckentfremdungen, denn sie fördern die Fantasie und das flexible Denken.

Wann ärztlicher Rat sinnvoll ist

Jedes Kind hat sein eigenes Tempo, wenn es darum geht, die Welt zu entdecken. Einige Kinder sind sehr auf motorische Fähigkeiten fokussiert und zeigen erst später Interesse an der Funktion von Gegenständen. Das ist völlig unbedenklich und Teil der individuellen Entwicklung.

Wenn Sie jedoch bemerken, dass Ihr Kind auch über den 18. bis 24. Lebensmonat hinaus gar kein Interesse an Alltagsgegenständen zeigt, diese nie nachahmend nutzt oder Handlungen der Bezugspersonen nicht beobachtet, können Sie dies bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung ansprechen. Die Kinderärztin oder der Kinderarzt kann dann gemeinsam mit Ihnen in aller Ruhe auf die allgemeine Entwicklung schauen und Sie liebevoll beraten.

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