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Mama, guck mal! Warum Ihr Kind beim Telefonieren besonders viel Aufmerksamkeit braucht

Häufige Fragen

Kennen Sie diese Situation auch? Sobald Sie das Telefon ans Ohr halten, möchte Ihr Kind plötzlich hochgenommen werden, ruft laut oder zieht an Ihrem Ärmel. Viele Eltern erleben genau das in ihrem Alltag. Dieser Artikel erklärt, warum es Kleinkindern oft schwerfällt, die elterliche Aufmerksamkeit zu teilen, und zeigt liebevolle Wege für entspanntere Gespräche auf.

Warum das Telefonieren eine besondere Herausforderung ist

Zwischen 13 und 36 Monaten machen Kinder riesige kognitive und emotionale Entwicklungssprünge. In dieser Zeit lernen sie viel über Kommunikation und soziale Interaktion. Wenn Sie sich mit einer Person im Raum unterhalten, sieht Ihr Kind die Gestik, die Mimik und den Blickkontakt zwischen Ihnen beiden. Beim Telefonieren fehlt dieser sichtbare Gegenüber völlig.

Ihr Kind hört Ihre Stimme, die im Alltag normalerweise direkte Interaktion bedeutet. Ihre Augen und Ihre Aufmerksamkeit sind jedoch weit weg. Diese für das Kind unsichtbare Verbindung zu einer anderen Person kann verwirrend wirken. Es spürt, dass Sie emotional nicht greifbar sind, obwohl Sie direkt daneben stehen. Oft verändert sich beim Telefonieren auch die elterliche Stimmlage, was für Kleinkinder zusätzlich ungewohnt wirkt.

Um diese für sie unklare Situation aufzulösen, suchen viele Kinder instinktiv nach Bestätigung. Sie möchten sich vergewissern, dass Sie noch da sind und sie wahrnehmen. Das laute Rufen oder das Ziehen an der Kleidung ist also kein absichtliches Stören. Es ist der Versuch Ihres Kindes, die gewohnte und sichere Verbindung zu Ihnen wiederherzustellen.

Die Welt aus der Sicht Ihres Kindes

Stellen Sie sich vor, Ihre wichtigste Bezugsperson spricht plötzlich ins Leere und reagiert nicht mehr auf Ihre Signale. Für Ihr Kind ist Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit ein sicherer Hafen. Wenn dieser Hafen kurzzeitig verschlossen scheint, reagiert es mit dem Wunsch nach sofortiger Nähe. Es sucht nach der Sicherheit, die es in diesem Alter noch so dringend von außen benötigt.

Zudem leben Kinder in diesem Alter stark im Hier und Jetzt. Das Konzept von Zeit ist für sie noch sehr abstrakt. Wenn Sie am Telefon flüstern, dass Sie gleich Zeit haben, kann Ihr Kind diese Zeitspanne noch nicht einschätzen. Fünf Minuten Wartezeit fühlen sich für kleine Kinder oft endlos an.

Praktische Tipps für einen entspannteren Alltag

Es gibt viele kleine Strategien, die Ihnen und Ihrem Kind helfen, Telefonate ruhiger zu gestalten. Probieren Sie aus, was am besten zu Ihrer Familie passt.

Vorab informieren und einbinden

Kündigen Sie das Telefonat kurz an. Sagen Sie zum Beispiel: Ich spreche jetzt kurz mit Oma, danach bauen wir den Turm weiter. Geben Sie Ihrem Kind ein eigenes Spielzeugtelefon. So kann es Ihre Handlung nachahmen und fühlt sich in das Geschehen integriert.

Nonverbale Verbindung halten

Oft reicht schon eine kleine körperliche Geste, um Ihrem Kind Sicherheit zu geben. Legen Sie beim Telefonieren sanft eine Hand auf seine Schulter oder lassen Sie es auf Ihrem Schoß sitzen. Streicheln Sie ihm über den Rücken. So signalisieren Sie: Ich spreche zwar gerade, aber ich spüre dich und bin bei dir.

Die besondere Spielkiste

Eine Kiste mit speziellem Spielzeug, die nur während Ihrer Telefonate hervorgeholt wird, wirkt oft wahre Wunder. Der Reiz des Neuen fesselt die Aufmerksamkeit Ihres Kindes für einen Moment. Packen Sie beispielsweise ein besonderes Bilderbuch oder leise Bausteine in diese Kiste.

Gespräche kurz halten oder timen

Versuchen Sie, wichtige oder längere Telefonate auf die Schlafenszeiten Ihres Kindes zu legen. Wenn das nicht möglich ist, halten Sie das Gespräch so kurz wie möglich. Erklären Sie Ihrem Gesprächspartner gleich zu Beginn, dass Ihr Kind bei Ihnen ist und Sie sich vielleicht kurz fassen müssen.

Gefühle nach dem Auflegen benennen

Wenn das Gespräch beendet ist, wenden Sie sich Ihrem Kind sofort wieder voll zu. Bedanken Sie sich für seine Geduld. Sagen Sie: Danke fürs Warten, jetzt bin ich wieder ganz für dich da. Das gibt Ihrem Kind das gute Gefühl, dass seine Kooperation gesehen und geschätzt wird.

Wann ärztlicher Rat hilfreich sein kann

Jedes Kind hat sein eigenes Temperament und geht unterschiedlich mit Frustration um. Manche Kinder finden schnell in ein eigenes Spiel, andere brauchen dauerhaft viel elterliche Begleitung. Wenn Sie jedoch das Gefühl haben, dass Ihr Kind im Alltag extrem auf jede noch so kleine Aufmerksamkeitsverschiebung reagiert, können Sie sich jederzeit Unterstützung holen. Ihre Kinderärztin oder Ihr Kinderarzt ist eine wunderbare Anlaufstelle, um gemeinsam Wege zu finden, wie Sie die emotionale Regulation Ihres Kindes liebevoll stärken können.

Häufige Fragen von Eltern

Warum beschäftigt sich mein Kind beim Kochen allein, aber nicht beim Telefonieren?

Beim Kochen führen Sie eine körperliche Tätigkeit aus, bleiben aber oft ansprechbar. Sie können nebenbei Blickkontakt halten oder kurze Antworten geben. Beim Telefonieren ist Ihre kommunikative Aufmerksamkeit komplett auf eine andere Person gerichtet, was für Ihr Kind einen großen Unterschied macht.

Hilft es, wenn ich zum Telefonieren den Raum verlasse?

Für viele Kleinkinder verstärkt eine geschlossene Tür das Gefühl der Trennung. Das Bedürfnis nach Nähe wird dann oft noch größer. Meist ist es hilfreicher, im Raum zu bleiben und durch eine sanfte Berührung eine nonverbale Verbindung aufrechtzuerhalten.

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte

  • Verständnis zeigen: Ihr Kind stört nicht absichtlich, es sucht nach Verbindung und Sicherheit.
  • Körperkontakt: Eine sanfte Berührung während des Telefonats signalisiert Ihrem Kind, dass Sie da sind.
  • Nachahmung: Ein eigenes Spielzeugtelefon hilft Ihrem Kind, das Gesehene spielerisch zu verarbeiten.
  • Ablenkung: Eine spezielle Spielkiste für Telefonzeiten macht das Warten spannender.
  • Wertschätzung: Bedanken Sie sich nach dem Gespräch für die Geduld Ihres Kindes.

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