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Lernen4 Min. Lesezeit

Warum macht mein Kind im Alltag plötzlich alles nach?

Häufige Fragen

Wenn Sie zum Besen greifen, möchte Ihr Kind plötzlich auch fegen. Wenn Sie telefonieren, brabbelt es eifrig in einen Bauklotz. Dieses Nachahmen ist ein wunderbarer Entwicklungsschritt und eine der wichtigsten Lernmethoden in diesem Alter. In diesem Artikel erfahren Sie, warum dieses Verhalten so wertvoll ist und wie Sie es spielerisch in Ihren Alltag integrieren können.

Grundlagen: Wie Kinder durch Beobachtung lernen

Viele Kinder zwischen 13 und 36 Monaten entdecken die Welt, indem sie ihre Bezugspersonen genau beobachten. Das Nachahmen ist für sie wie ein großes, spannendes Forschungsprojekt. Sie sehen, was Sie tun, und möchten es sofort selbst ausprobieren. Dieser Prozess wird durch sogenannte Spiegelneuronen im Gehirn unterstützt.

Diese speziellen Nervenzellen sorgen dafür, dass Ihr Kind Handlungen und Emotionen nachempfinden kann. Wenn Sie lachen, lacht Ihr Kind oft mit. Wenn Sie wischen, möchte es ebenfalls wischen. Das Nachahmen hilft Ihrem Kind dabei, soziale Regeln zu verstehen und praktische Fähigkeiten zu erlernen. Es ist ein Zeichen von tiefer Verbundenheit und Vertrauen.

Zudem gibt das Mithelfen im Alltag Ihrem Kind das wunderbare Gefühl, ein wichtiger Teil der Familie zu sein. Es spürt, dass sein Beitrag geschätzt wird. Das stärkt das Selbstbewusstsein enorm und fördert die Selbstständigkeit auf eine ganz natürliche, unaufgeregte Weise.

Praktische Tipps für den Alltag

Das Nachahmen bietet eine tolle Gelegenheit, den Alltag gemeinsam zu gestalten. Hier sind einige praktische Ideen, wie Sie diesen Entdeckerdrang liebevoll begleiten können.

Eigene kleine Aufgaben geben

Beziehen Sie Ihr Kind in einfache Tätigkeiten ein. Wenn Sie den Tisch abwischen, geben Sie Ihrem Kind einen eigenen, kleinen Lappen. Beim Wäscheaufhängen kann es Ihnen die Klammern anreichen. Diese kleinen Aufgaben machen unglaublich stolz und fördern die motorischen Fähigkeiten.

Kindergerechte Werkzeuge bereitstellen

Ein kleiner Besen, ein leichter Plastikteller oder ein eigener kleiner Kochlöffel wirken oft Wunder. Mit Werkzeugen in der passenden Größe fällt das Nachahmen viel leichter. Ihr Kind fühlt sich ernst genommen und kann die Bewegungen viel besser kontrollieren.

Gemeinsam statt perfekt

Beim gemeinsamen Tun geht es nicht um ein perfektes Ergebnis. Es ist völlig in Ordnung, wenn beim Gießen etwas Wasser danebengeht oder der Tisch nach dem Wischen noch Krümel hat. Der Spaß am gemeinsamen Tun und das Erfolgserlebnis stehen im Vordergrund. Loben Sie die Bemühung, nicht das Resultat.

Vorbildfunktion nutzen

Da Ihr Kind Sie genau beobachtet, ahmt es auch Ihren Umgang mit Gefühlen und Herausforderungen nach. Wenn Sie tief durchatmen, wenn etwas schiefgeht, lernt Ihr Kind eine gesunde Strategie zur Frustrationsbewältigung. Auch kleine Höflichkeiten wie Bitte und Danke schauen sich Kinder oft ganz natürlich ab.

Geduld im Alltag üben

Wenn ein Kleinkind mithilft, dauern viele Dinge erst einmal länger. Versuchen Sie, etwas mehr Zeit für alltägliche Aufgaben einzuplanen. Betrachten Sie diese zusätzliche Zeit als wertvolle Investition in die Bindung zu Ihrem Kind und in seine wachsende Selbstständigkeit.

Wenn das Nachahmen Fragen aufwirft

Manchmal verläuft die Entwicklung anders, als Eltern es vielleicht erwarten. Jedes Kind hat sein ganz eigenes Tempo und seine eigene Art, die Welt zu begreifen. Manche Kinder sind stille Beobachter, die wochenlang nur zuschauen, bevor sie selbst aktiv werden.

Wenn Sie sich jedoch unsicher fühlen, weil Ihr Kind über einen langen Zeitraum kaum Interesse an seiner Umgebung zeigt oder Sie gar nicht imitiert, ist das völlig in Ordnung. In solchen Momenten ist ein Gespräch mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt immer ein guter Weg. Dort können Sie Ihre Beobachtungen in Ruhe teilen, Fragen stellen und sich liebevoll beraten lassen.

Häufige Fragen

Was tun, wenn mein Kind gefährliche Dinge nachmacht?

Bieten Sie sofort eine sichere Alternative an. Wenn Ihr Kind zum Beispiel mit einem echten Messer schneiden möchte, geben Sie ihm ein stumpfes Holzmesser und etwas weiche Knete. So kann es die Bewegung gefahrlos üben.

Mein Kind plappert Schimpfwörter nach, wie reagiere ich am besten?

Bleiben Sie möglichst gelassen und schenken Sie dem Wort keine große Beachtung. Kinder in diesem Alter testen oft nur die Reaktionen auf bestimmte Klänge. Wenn das Wort keine spannende Reaktion hervorruft, verliert es meist schnell an Reiz.

Muss ich mein Kind zum Nachahmen animieren?

Nein, das ist nicht nötig. Bieten Sie einfach Gelegenheiten an und lassen Sie Ihr Kind entscheiden, ob es mitmachen möchte. Zwang oder Druck nehmen die Freude am Entdecken.

Zusammenfassung

  • Nachahmen ist eine der wichtigsten und natürlichsten Lernmethoden für Kleinkinder.
  • Es stärkt das Selbstbewusstsein und das Gefühl der familiären Zugehörigkeit.
  • Kleine, altersgerechte Aufgaben im Haushalt fördern die motorische Entwicklung.
  • Der Spaß am gemeinsamen Tun ist viel wichtiger als ein perfektes Ergebnis.
  • Bei Unsicherheiten bezüglich der Entwicklung ist die Kinderarztpraxis ein verlässlicher Ansprechpartner.
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