Wenn das Essen auf dem Boden landet: Begleitung am Familientisch
Häufige Fragen
Es ist ein vertrautes Bild am Familientisch: Liebevoll zubereitetes Essen landet plötzlich zielsicher auf dem Fußboden. In dieser Phase entdecken viele Kinder die spannenden Gesetze der Schwerkraft und testen gleichzeitig erste Grenzen aus. Hier erfahren Sie, wie Sie diese Entwicklung entspannt begleiten und die Mahlzeiten für alle angenehm gestalten können.
Warum das Essen auf dem Boden landet
Viele Kinder im Alter zwischen 13 und 36 Monaten beginnen, ihr Essen vom Hochstuhl fallen zu lassen. Dies geschieht nicht aus böser Absicht oder um Sie zu ärgern. Für Ihr Kind ist der Esstisch ein wunderbares Labor für physikalische Experimente.
Eine Nudel fällt anders als ein Stück Brot. Ein Löffel macht ein lautes Geräusch, während eine Erbse leise über den Boden rollt. Ihr Kind beobachtet diese Vorgänge mit großer Faszination. Es lernt dabei, wie die Welt um es herum funktioniert.
Neben der Schwerkraft entdecken Kleinkinder auch das Prinzip von Ursache und Wirkung. Wenn das Brot fällt, reagieren die Eltern. Vielleicht hebt Papa das Brot auf, oder Mama macht ein überraschtes Gesicht. Diese Reaktionen sind für Ihr Kind hochinteressant und laden zu weiteren Versuchen ein.
Zudem ist das Werfen oft eine Form der Kommunikation. Ihr Kind hat vielleicht noch nicht die richtigen Worte, um zu sagen, dass es satt ist. Das Herunterwerfen der restlichen Stücke ist dann ein deutliches Signal für ein volles Bäuchlein. Auch Müdigkeit oder eine Reizüberflutung durch zu viel Auswahl auf dem Teller können dazu führen, dass das Essen plötzlich fliegt.
Die Welt mit allen Sinnen begreifen
Für Erwachsene ist Essen eine reine Nahrungsaufnahme oder ein Genuss. Für ein Kleinkind ist es ein ganzheitliches Erlebnis für alle Sinne. Das Essen wird befühlt, zerdrückt, verschmiert und eben auch geworfen.
Diese sensorische Erfahrung ist ein wichtiger Teil der kindlichen Entwicklung. Wenn Ihr Kind Kartoffelbrei durch die Finger drückt, lernt es etwas über Konsistenzen. Das Fallenlassen gehört zu dieser umfassenden Erforschung der Welt ganz natürlich dazu.
Praktische Tipps für den Familientisch
Kleine Portionen anbieten
Ein voller Teller kann für ein Kleinkind schnell überwältigend wirken. Viele Kinder fangen an zu werfen, wenn sie mit der Menge überfordert sind. Bieten Sie zunächst nur zwei oder drei Stücke der Mahlzeit an. Wenn diese gegessen sind, können Sie gerne nachlegen.
Eine Ablageschale einführen
Oft landet Essen auf dem Boden, weil Ihr Kind ein bestimmtes Lebensmittel gerade nicht essen möchte. Eine kleine Schale neben dem Teller kann hier Wunder wirken. Erklären Sie Ihrem Kind, dass es ungeliebte Stücke in diese Schale legen kann. So hat das Essen einen festen Platz, der nicht der Fußboden ist.
Ruhig und neutral reagieren
Große Reaktionen sind für Kleinkinder spannend. Wenn Sie laut werden oder hektisch das Essen aufheben, wirkt das wie ein lustiges Spiel. Versuchen Sie, möglichst ruhig zu bleiben. Ein freundlicher, aber klarer Satz wie "Das Essen bleibt auf dem Tisch" reicht völlig aus.
Den Boden schützen
Ein großer Teil des elterlichen Stresses entsteht durch die Sorge um den sauberen Fußboden. Eine abwaschbare Matte oder ein altes Handtuch unter dem Hochstuhl nehmen diesen Druck sofort aus der Situation. Wenn Sie wissen, dass der Boden geschützt ist, können Sie viel gelassener auf fliegende Erbsen reagieren.
Die Mahlzeit liebevoll beenden
Wenn das Werfen trotz ruhiger Begleitung nicht aufhört, ist Ihr Kind meistens satt oder zu müde zum Essen. Sie können die Mahlzeit dann ruhig beenden. Sagen Sie Ihrem Kind freundlich, dass Sie den Teller nun wegnehmen, da es anscheinend keinen Hunger mehr hat.
Gemeinsames Aufräumen
Nach dem Essen können Sie Ihr Kind in das Aufräumen einbeziehen. Geben Sie ihm einen kleinen, feuchten Lappen, damit es seinen Platz oder den Tisch abwischen kann. Viele Kinder helfen in diesem Alter sehr gerne und lernen so ganz nebenbei, dass das Saubermachen zum Essen dazugehört.
Gelassenheit für Eltern
Es ist völlig verständlich, dass fliegendes Essen manchmal an den elterlichen Nerven zehrt. Besonders nach einem langen Tag fehlt oft die Energie für zusätzliche Putzaktionen. Atmen Sie in solchen Momenten tief durch und erinnern Sie sich daran, dass dies eine Phase ist.
Sie machen nichts falsch, wenn Ihr Kind sein Essen wirft. Es ist kein Zeichen von schlechter Erziehung, sondern ein Ausdruck von kindlicher Neugier. Seien Sie nachsichtig mit sich selbst und Ihrem Kind.
Wann ein ärztlicher Rat hilfreich ist
In den allermeisten Fällen ist das Werfen von Essen eine vorübergehende Entwicklungsphase. Wenn Sie sich jedoch Sorgen um das Essverhalten Ihres Kindes machen, ist das vollkommen verständlich. Vielleicht haben Sie das Gefühl, dass Ihr Kind kaum noch etwas schluckt, Gewicht verliert oder die Mahlzeiten nur noch aus purem Stress bestehen.
In solchen Momenten ist ein Gespräch mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin immer ein guter Schritt. Dort können Sie Ihre Beobachtungen teilen und bekommen individuelle Unterstützung für Ihre familiäre Situation.
Häufige Fragen aus dem Alltag
Muss ich das Essen sofort aufheben?
Nein, es ist oft viel entspannter, das Essen erst nach der Mahlzeit aufzuheben. Wenn Sie sich nach jedem Stück bücken, entsteht schnell ein interaktives Spiel für Ihr Kind. Lassen Sie das Essen einfach liegen, bis alle fertig sind.
Was tun, wenn mein Kind den Teller umwirft?
Teller mit einem Saugfuß sind eine praktische Hilfe für den Alltag. Sie haften fest auf dem Tisch und verhindern, dass die gesamte Mahlzeit mit einer Handbewegung auf dem Boden landet. Alternativ können Sie das Essen auch direkt auf das saubere Tablett des Hochstuhls legen.
Wie gehe ich mit Blicken im Restaurant um?
Das Essen in der Öffentlichkeit kann in dieser Phase herausfordernd sein. Nehmen Sie am besten Lebensmittel mit, die wenig Schmutz verursachen. Ein Platz in einer ruhigen Ecke des Restaurants nimmt den Druck. Denken Sie daran, dass viele andere Eltern diese Phase ebenfalls kennen und volles Verständnis für fliegende Nudeln haben.
Zusammenfassung: Die wichtigsten Punkte
- Das Werfen von Essen ist ein natürliches Experimentieren mit der Schwerkraft und Ursache und Wirkung.
- Kleine Portionen auf dem Teller verhindern eine Überforderung Ihres Kindes.
- Eine kleine Ablageschale bietet einen Platz für ungeliebte Lebensmittel.
- Ruhige, neutrale Reaktionen nehmen die Spannung aus der Situation.
- Eine Schutzmatte unter dem Stuhl schont die Nerven der Eltern.
- Bei anhaltendem Werfen können Sie die Mahlzeit freundlich und klar beenden.
- Bei Sorgen rund um das Essverhalten ist die kinderärztliche Praxis die richtige Anlaufstelle.
Mit einem Sternchen (*) gekennzeichnete Links sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn du auf so einen Link klickst und über diesen einkaufst, erhalten wir eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht.
Personalisierte Tipps für Ihr Kind?
easykiddo passt alle Inhalte an das Alter Ihres Kindes an – kostenlos.
Kostenlos starten