Ab wann trinken Babys zusätzlich Wasser?
Frequently asked
Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für das erste Wasser beschäftigt viele Eltern im ersten Lebensjahr. Gerade wenn die Tage wärmer werden oder die erste Beikost auf dem Tisch steht, wächst die Unsicherheit rund um den Flüssigkeitsbedarf. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Muttermilch oder Pre-Nahrung den Durst Ihres Babys anfangs komplett stillen und wie Sie später ganz entspannt Wasser als zusätzliches Getränk einführen.
Grundlagen zum Flüssigkeitsbedarf im ersten Lebensjahr
Muttermilch und Säuglingsnahrung (Pre-Nahrung) bestehen zu einem sehr großen Teil aus Wasser. In den ersten Lebensmonaten decken diese Mahlzeiten sowohl den Hunger als auch den Durst Ihres Kindes vollständig ab. Ein zusätzliches Angebot von Wasser oder ungesüßtem Tee ist in dieser Phase nicht notwendig.
Selbst an heißen Sommertagen oder bei leichtem Fieber reicht es in der Regel völlig aus, das Baby einfach häufiger anzulegen oder ein Fläschchen mehr anzubieten. Der kleine Magen eines Babys füllt sich sehr schnell. Trinkt ein junges Baby zusätzlich Wasser, ist der Magen voll, aber es hat keine Kalorien oder wichtigen Nährstoffe aufgenommen. Das kann dazu führen, dass es weniger von der wichtigen Milch trinkt.
Wenn Sie sich Sorgen machen, ob Ihr Kind ausreichend Flüssigkeit bekommt, ist ein Blick in die Windel sehr hilfreich. Vier bis sechs nasse Windeln in einem Zeitraum von 24 Stunden sind ein gutes Zeichen für eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung. Bei Bedenken rund um den Flüssigkeitshaushalt, besonders an sehr heißen Tagen oder bei Krankheit, wenden Sie sich bitte immer an Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt.
Der Übergang zum zusätzlichen Wassertrinken beginnt meist ganz sanft mit dem Start der Beikost. Oft liegt dieser Zeitpunkt zwischen dem fünften und siebten Lebensmonat. Sobald Ihr Kind beginnt, Brei oder festes Essen zu erkunden, können Sie zu den Mahlzeiten etwas Leitungswasser anbieten.
Anfangs geht es dabei weniger um die tatsächliche Flüssigkeitsaufnahme, sondern vielmehr um das Kennenlernen. Die Kleinen üben das Trinken aus einem Becher und lernen den neutralen Geschmack von Wasser kennen. Die Hauptflüssigkeitsquelle bleibt auch während der frühen Beikostzeit die Milch. Erst wenn Ihr Kind drei vollständige Breimahlzeiten oder entsprechende Portionen an festem Essen am Tag isst, wird zusätzliche Flüssigkeit nach und nach wichtiger.
Ein wichtiges Thema in diesem Zusammenhang ist die sogenannte Wasserintoxikation (Wasservergiftung). Die Nieren von Säuglingen unter sechs Monaten sind noch nicht vollständig ausgereift. Sie können große Mengen an purem Wasser noch nicht richtig verarbeiten. Ein Zuviel an Wasser kann den Natriumhaushalt im Blut durcheinanderbringen. Das ist ein weiterer wichtiger Grund, warum Muttermilch oder streng nach Packungsbeilage zubereitete Pre-Nahrung in den ersten Monaten die einzige Flüssigkeit sein darf. Wenn Sie unsicher sind, besprechen Sie die Flüssigkeitsmenge immer mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin.
Praktische Tipps für die Einführung von Wasser
1. Leitungswasser als ideales Getränk
In unseren Breitengraden ist frisches Leitungswasser von hervorragender Qualität und eignet sich wunderbar als Durstlöscher für kleine Entdecker. Lassen Sie das Wasser kurz laufen, bis es kühl aus dem Hahn fließt. Ein Abkochen ist nach den ersten Monaten oft nicht mehr zwingend erforderlich. Wenn Sie in einem Altbau mit alten Rohren wohnen, besprechen Sie die Nutzung von Leitungswasser am besten kurz mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt.
2. Den richtigen Trinklernbecher finden
Viele Eltern bieten Wasser zunächst aus einem kleinen offenen Becher oder einem speziellen Trinklernbecher an. Ein offener Becher fördert die Mundmotorik ganz besonders gut. Füllen Sie den Becher anfangs nur bodenbedeckt mit Wasser, da die ersten Schluckversuche oft noch feuchtfröhlich enden. Manche Kinder kommen mit einem offenen Becher sehr früh zurecht, andere bevorzugen Modelle mit einem weichen Aufsatz. Probieren Sie in Ruhe aus, was für Ihr Kind am besten funktioniert.
3. Fläschchen für Milch reservieren
Es hat sich gut bewährt, Wasser nicht aus der gewohnten Milchflasche anzubieten. So lernt Ihr Kind direkt, dass Wasser ein anderes Getränk ist und zu einer anderen Situation gehört (zum Beispiel zum Essen am Familientisch). Das Saugen an der Flasche wird weiterhin mit der nahrhaften Milch und der damit verbundenen Geborgenheit verknüpft. Das Trinken aus dem Becher wird als neue, spannende Fähigkeit etabliert.
4. Spielerisches Kennenlernen am Tisch
Stellen Sie zu den Beikostmahlzeiten einfach ein kleines Glas oder einen Becher mit Wasser bereit. Sie können Ihr eigenes Glas erheben und genüsslich einen Schluck trinken. Kinder lernen unheimlich viel durch Nachahmung. Bieten Sie das Wasser ganz beiläufig an, ohne Zwang oder großen Fokus darauf zu legen. Ein spielerischer Umgang nimmt den Druck und macht das Trinkenlernen zu einem entspannten Erlebnis für alle Beteiligten.
5. Geduld bei kleinen Mengen
Anfangs trinken Babys oft nur winzige Schlückchen oder spielen eher mit dem Wasser im Mund. Manchmal läuft mehr Wasser das Kinn hinunter, als tatsächlich im Bauch landet. Das ist ein völlig typischer Teil des Lernprozesses. Erwarten Sie nicht, dass Ihr Kind sofort einen ganzen Becher leert. Die Flüssigkeitsversorgung ist durch die parallel gegebene Milch und das Wasser in der Beikost (wie Gemüse oder Obst) weiterhin sehr gut gesichert.
6. Auf Tee und Säfte verzichten
Pures Wasser ist das gesündeste Getränk für Ihr Kind. Ungesüßte Tees (wie Fenchel oder Kamille) können bei Bedarf ab und zu angeboten werden, sind aber als tägliches Standardgetränk nicht nötig. Säfte enthalten viel Fruchtzucker, auch wenn sie mit Wasser verdünnt sind. Dieser Zucker kann die ersten Zähnchen angreifen und gewöhnt das Kind stark an den süßen Geschmack. Pures Wasser schont die Zähne und löscht den Durst am effektivsten.
Häufige Fragen rund um das Thema Wassertrinken
Was mache ich an sehr heißen Sommertagen? Braucht mein Baby dann nicht unbedingt Wasser?
Diese Sorge teilen viele Eltern, wenn die Temperaturen im Sommer in die Höhe klettern. In den ersten Lebensmonaten gilt jedoch weiterhin: Muttermilch oder Pre-Nahrung reichen völlig aus. Die sogenannte Vordermilch beim Stillen ist besonders wässrig und löscht den Durst des Babys hervorragend. Sie werden vielleicht bemerken, dass Ihr Kind an heißen Tagen häufiger, aber dafür kürzer trinken möchte. Das ist die perfekte Strategie der Natur, um den Flüssigkeitsbedarf zu regulieren. Auch Flaschenkinder dürfen einfach öfter eine kleine Menge Pre-Nahrung trinken. Die Nahrung darf niemals mit extra Wasser verdünnt werden, da dies das Nährstoffgleichgewicht massiv stört. Sollte Ihr Kind an heißen Tagen apathisch wirken oder die Windeln trocken bleiben, suchen Sie bitte umgehend Ihre Kinderarztpraxis auf.
Mein Baby hat oft Schluckauf. Hilft ein Schluck Wasser dagegen?
Schluckauf ist bei Babys sehr häufig und meist völlig harmlos. Er entsteht, weil das Zwerchfell sich gelegentlich verkrampft. Bei kleinen Säuglingen unter sechs Monaten ist ein Schluck Wasser keine geeignete Lösung gegen Schluckauf. Sie können Ihr Kind stattdessen für ein paar Minuten anlegen oder ihm den Schnuller geben. Das ruhige Saugen hilft dem Zwerchfell oft, sich wieder zu entspannen. Manche Kinder stört der Schluckauf auch gar nicht und er verschwindet nach wenigen Minuten von ganz allein. Wenn der Schluckauf sehr lange anhält oder das Baby sichtlich quält, kann ein kurzes Gespräch mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt Sicherheit geben.
Wir haben mit der Beikost begonnen, aber mein Kind weigert sich, Wasser zu trinken. Ist das schlimm?
Dass Kinder zu Beginn der Beikostzeit Wasser ablehnen, ist ein sehr bekanntes Phänomen. Pures Wasser schmeckt im Vergleich zur süßlichen Muttermilch oder Pre-Nahrung sehr neutral und ungewohnt. Zudem erfordert das Trinken aus einem offenen Becher eine ganz andere Zungenmotorik als das Saugen an der Brust oder der Flasche. Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn die ersten Trinkversuche scheitern. Bieten Sie das Wasser weiterhin bei jeder Mahlzeit ganz entspannt an. Solange Sie das feste Essen noch mit Milchmahlzeiten ergänzen, ist der Flüssigkeitsbedarf Ihres Kindes gedeckt. Manche Kinder entdecken erst mit acht oder neun Monaten Freude am Wassertrinken, andere sogar noch später. Geben Sie Ihrem Kind einfach die Zeit, die es braucht, um diesen neuen Geschmack in seinem eigenen Tempo zu akzeptieren.
Zusammenfassung: Das Wichtigste auf einen Blick
- In den ersten Lebensmonaten wird der gesamte Flüssigkeitsbedarf ausschließlich über Muttermilch oder Pre-Nahrung gedeckt.
- Wasser ist vor dem Beikoststart nicht notwendig und kann in größeren Mengen sogar den kleinen Nieren schaden.
- Mit dem Beginn der Beikost können Sie ganz entspannt anfangen, kleine Mengen Wasser aus einem Becher anzubieten.
- Der Übergang zum Wassertrinken ist ein Lernprozess. Anfangs geht es mehr um das Üben als um die tatsächlich getrunkene Menge.
- Frisches Leitungswasser aus einem Trinklernbecher ist das ideale Begleitgetränk zu den neuen Mahlzeiten.
- Das Thema Trinken darf spielerisch und ohne jeglichen Zwang am Familientisch stattfinden.
- Bei allen Unsicherheiten bezüglich der Flüssigkeitsversorgung oder der Anzahl nasser Windeln ist Ihre Kinderärztin oder Ihr Kinderarzt immer die beste Anlaufstelle.
Personalized tips for your child?
easykiddo tailors all content to your child's age — for free.
Start free