Was steckt dahinter, wenn mich mein Lieblingsessen plötzlich anekelt?
Frequently asked
Gerade haben Sie sich noch auf Ihr Lieblingsgericht gefreut. Plötzlich dreht sich Ihnen schon beim Gedanken daran der Magen um. Eine starke Abneigung gegen bestimmte Lebensmittel erleben viele werdende Mütter. Dieser Ratgeber beleuchtet liebevoll die Ursachen für diesen plötzlichen Wandel. Sie erfahren hier, wie Sie in dieser Zeit ganz ohne schlechtes Gewissen auf gut verträgliche Alternativen ausweichen.
Hintergrundwissen zu veränderten Vorlieben
Viele Schwangere kennen dieses intensive Phänomen aus eigener Erfahrung. Der morgendliche Kaffee, das geliebte Hähnchengericht oder der gesunde Brokkoli rufen auf einmal puren Ekel hervor. Die Ursache für diese plötzliche Veränderung liegt oft in der gewaltigen hormonellen Umstellung des Körpers. Das Schwangerschaftshormon hCG steigt in den ersten Wochen rasant an. Gleichzeitig verändert der höhere Östrogenspiegel die Wahrnehmung von Gerüchen und Geschmäckern enorm. Fachleute sprechen hier manchmal von einer Hyperosmie, was einen übermäßig feinen und empfindlichen Geruchssinn beschreibt.
Der Körper baut durch diese Sensibilität einen natürlichen Schutzmechanismus auf. In der Frühzeit der Menschheit half dieser extrem feine Sinn den werdenden Müttern, verdorbene oder potenziell giftige Speisen instinktiv zu meiden. Stark riechende Lebensmittel wie Fleisch, Fisch oder Kohlgemüse fallen oft genau in dieses Raster. Heute bedeutet dieser Mechanismus meist einfach nur, dass Ihr Körper in dieser sensiblen Phase besonders wachsam reagiert. Diese Wachsamkeit äußert sich dann als abrupte Ablehnung von Dingen, die Sie eigentlich immer gerne gegessen haben.
Manche Frauen verspüren diese Abneigung nur bei einem ganz speziellen Lebensmittel. Andere ekeln sich phasenweise vor kompletten Lebensmittelgruppen, etwa vor allen Milchprodukten oder sämtlichen Fleischsorten. Diese intensive Phase tritt oft zwischen der sechsten und der vierzehnten Schwangerschaftswoche auf. Bei vielen Frauen klingt sie danach ganz von alleine wieder ab. Der aufkommende Ekel ist zudem sehr oft eng mit der typischen Schwangerschaftsübelkeit verbunden. Häufig reicht schon der flüchtige Geruch aus dem geöffneten Kühlschrank aus, um akutes Unwohlsein auszulösen.
Es ist völlig verständlich, wenn Sie sich in dieser Situation Sorgen machen. Viele Eltern wünschen sich von Anfang an eine perfekte und ausgewogene Ernährung für ihr heranwachsendes Kind. Ein schlechtes Gewissen ist hier jedoch gar nicht angebracht. Ihr Körper und Ihr Kind holen sich in der Regel alle wichtigen Bausteine, die sie für eine gesunde Entwicklung brauchen. Wenn Sie anhaltende Bedenken wegen der Nährstoffversorgung haben, ist ein klärendes Gespräch immer hilfreich. Wenden Sie sich bei Sorgen einfach an Ihre frauenärztliche Praxis. Für weitreichende Fragen zur körperlichen Entwicklung Ihres Kindes ist auch ein Gespräch mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin eine wertvolle Unterstützung.
Praxisnahe Tipps für den Alltag
Erlaubt ist, was drinbleibt Wenn Ihnen der Sinn nur noch nach trockenen Nudeln, Salzkartoffeln oder Zwieback steht, dürfen Sie diesem Bedürfnis ruhig nachgeben. Viele schwangere Frauen ernähren sich zeitweise sehr einseitig. Der Körper verfügt über gute Reserven, aus denen Ihr Kind in dieser frühen Phase reichlich schöpft. Es geht in diesen Wochen in erster Linie darum, überhaupt Energie aufzunehmen und den Blutzuckerspiegel stabil zu halten. Sobald der Ekel langsam nachlässt, kommt die Lust auf Vielfalt meist ganz von alleine zurück.
Kalte Speisen riechen oft weniger intensiv Hitze verstärkt die Aromen und damit den Eigengeruch von Lebensmitteln. Ein warmes Abendessen füllt oft die ganze Wohnung mit intensiven Düften, die Übelkeit auslösen können. Greifen Sie stattdessen öfter zu kalten Mahlzeiten wie belegten Broten, frischen Salaten oder kühlen Quarkspeisen. Diese sind aromatisch viel zurückhaltender und reizen den empfindlichen Geruchssinn weitaus weniger. Viele Schwangere empfinden zudem eiskalte Getränke oder das Lutschen von Eiswürfeln als äußerst angenehm und beruhigend für den Magen.
Flüssigkeiten als sanfte Alternative nutzen Manchmal fällt das Kauen und Schlucken fester Nahrung besonders schwer. In diesen Momenten stellen flüssige oder fein pürierte Mahlzeiten eine sehr gute Lösung dar. Ein kühler Smoothie mit mildem Obst und ein paar Haferflocken liefert dem Körper schnelle Energie. Auch milde Gemüsesuppen oder klare Brühen werden von vielen Frauen in dieser Phase gut toleriert. Achten Sie dabei stets auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, besonders wenn Sie zusätzlich mit Übelkeit kämpfen. Stilles Wasser, ungesüßte milde Tees oder stark verdünnte Saftschorlen sind hier wunderbare Begleiter für den Tag.
Kleine Portionen über den Tag verteilen Ein völlig leerer Magen verstärkt das Gefühl von Ekel und Übelkeit oft noch weiter. Ein zu voller Magen kann das Verdauungssystem jedoch genauso überfordern. Essen Sie deshalb lieber fünf bis sechs kleine Snacks über den gesamten Tag verteilt. Auf diese Weise bleibt der Blutzuckerspiegel wunderbar konstant und der Magen hat beständig etwas Leichtes zu tun. Legen Sie sich zum Beispiel abends ein paar trockene Cracker direkt auf den Nachttisch. So können Sie morgens schon vor dem Aufstehen eine Kleinigkeit zu sich nehmen und den Kreislauf sanft in Schwung bringen.
Nährstoffe clever und unauffällig verstecken Wenn der bloße Gedanke an Gemüse Unbehagen auslöst, lassen sich viele Sorten wunderbar in anderen Gerichten verstecken. Eine milde Tomatensoße lässt sich hervorragend mit fein pürierten Karotten oder Zucchini anreichern, ohne dass sich der Geschmack stark verändert. Auch in cremigen Kartoffelsuppen oder süßen Obst-Smoothies fällt eine kleine Handvoll Babyspinat kaum auf. So nehmen Sie wertvolle Vitamine zu sich, ohne sich beim Essen überwinden zu müssen. Probieren Sie einfach spielerisch aus, was für Sie persönlich am besten funktioniert und was Ihnen guttut.
Den eigenen Druck herausnehmen Das Wichtigste in dieser sensiblen Zeit ist Nachsicht mit sich selbst. Akzeptieren Sie die aktuellen Abneigungen Ihres Körpers als eine vorübergehende und natürliche Phase. Es hilft niemandem, wenn Sie sich zum Essen zwingen und danach mit noch mehr Unwohlsein zu kämpfen haben. Vertrauen Sie stattdessen darauf, dass diese intensive Sensibilität meist nach den ersten Monaten der Schwangerschaft wieder abklingt. Sprechen Sie offen mit Ihrem Umfeld über Ihre Empfindungen. Wenn Ihre Partnerin oder Ihr Partner das Kochen vorübergehend übernimmt, können Sie unangenehmen Gerüchen in der Küche viel besser aus dem Weg gehen.
Häufige Fragen von werdenden Eltern
Bleibt dieser Ekel vor Lebensmitteln die gesamte Zeit über bestehen? Bei den allermeisten Frauen ist dieses Phänomen fest auf das erste Trimester beschränkt. Sobald sich der Hormonhaushalt nach den ersten Monaten ein wenig einpendelt, kehrt der gewohnte Appetit oft zurück. Viele Schwangere können ihr absolutes Lieblingsessen dann wieder in vollen Zügen genießen. Manche Frauen behalten eine leichte Abneigung gegen sehr spezielle Gerüche bis zur Geburt bei, das variiert von Person zu Person.
Bekommt mein Kind bei einer einseitigen Ernährung trotzdem genug Nährstoffe? In den allermeisten Fällen ist Ihr Kind bestens versorgt. Die Natur hat es geschickt so eingerichtet, dass sich Ihr Kind zuerst die benötigten Nährstoffe aus Ihren körpereigenen Speichern nimmt. Eine vorübergehende einseitige Ernährung schadet Ihrem Kind nicht sofort. Wenn Sie sich unwohl fühlen, stark an Gewicht verlieren oder große Sorgen haben, ist ärztlicher Rat wichtig. Ihre Frauenärztin, Ihr Frauenarzt oder auch Ihr Kinderarzt beziehungsweise Ihre Kinderärztin stehen Ihnen bei allen Fragen rund um die gesunde Entwicklung immer unterstützend zur Seite.
Was kann ich tun, wenn ich wirklich gar nichts mehr essen oder trinken kann? Wenn der Ekel so stark ausgeprägt ist, dass Sie über Tage hinweg kaum noch Nahrung oder Flüssigkeit bei sich behalten, ist eine professionelle Begleitung unverzichtbar. In manchen Fällen steckt eine sehr stark ausgeprägte Schwangerschaftsübelkeit dahinter. Zögern Sie bitte nicht, sich frühzeitig ärztliche Hilfe zu suchen. Es gibt gut verträgliche Mittel und sanfte Therapien, die Ihnen in dieser belastenden Situation Erleichterung verschaffen. Niemand muss diese körperliche Herausforderung völlig alleine durchstehen.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- Hormonelle Umstellungen verändern den Geruchssinn und Geschmackssinn oft drastisch.
- Ein feinerer Geruchssinn dient als natürlicher Schutzmechanismus des Körpers.
- Der Ekel verschwindet bei den meisten Frauen nach den ersten Schwangerschaftsmonaten wieder.
- Eine zeitweise einseitige Ernährung ist in der Regel unbedenklich für Ihr Kind.
- Kalte Speisen, kleine Snacks und versteckte Nährstoffe erleichtern den Alltag.
- Bei Unsicherheiten oder starkem Gewichtsverlust ist Ihre ärztliche Praxis oder Ihre Kinderärztin beziehungsweise Ihr Kinderarzt der richtige Kontakt.
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